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FALLINGBOSTEL
Kategorie: Abschleppdienst: Fallingbostel:

Ja, ich komme gleich. Ich werde mit dir baden gehen und Schlauchboot fahren. Aber über das Schlauchboot muß ich dann auch was schreiben. Ober den Wohnwagen natürlich auch, aber jetzt laß mich bitte noch auf die sogenannten Handschuhfächer zu sprechen kommen. Du weißt doch selbst, wie ärgerlich du an der Grenze warst, als nicht einmal das Carnet für den Wohnwagen reinpaßte.
Früher wollte man wahrscheinlich wirklich nur die Handschuhe hineinlegen, heute legen die Fabriken uns rein. Wir müssen aber etwas ablegen können. Den Auto-Atlas, die Sonnenbrille, die Grenzpapiere, die Schachtel mit Zigaretten, Cola-Schokolade, die Sportmütze, das Halstuch, oft auch die Kamera und das Fernglas. Wir brauchen nicht nur ein großes, verschließbares Ablagefach, wir brauchen das unter dem Armaturenbrett verlaufende Ablagebord nach britischem Muster.
Wir verlangen ja gar keinen Mutterwitz, keinen Mut mit Pfiff. Wir überschätzen unsere Schildbürger nicht, wir wären schon mit ausgeprägtem Blechverstand zufrieden. Etwa auch mit einer Halterung für den Reservekanister, zu dessen Mitnahme uns die unzuverlässigen Benzinuhren zwingen, mit einem klappersicheren, ausgepolsterten Fach fürs Bordwerkzeug (das manche Firmen tatsächlich lose hinten hineinlegen!), mit weniger Ärgernis durch falsch plazierte Knöpfe und Griffe — und mit einem gut funktionierenden Mittelschalthebel.
Man fragt sich: „Würden nicht breiteste Käuferschichten ein Auto begrüßen, das, ohne häßlich zu sein, ein sinnvoller, echter, alltagsgerechter Gebrauchsgegenstand wäre?” Ich denke, wir schreiten fort? Aber der Fortschritt hat Senk- und Spreiz- und Plattfüße und haselnußgroße Hühneraugen. Der Fortschritt ist eine ganz lahme Ente geworden.
Wer andern einen Vogel zeigt .. .
Aeulich konsultierte Herr Direktor Obermüller einen Arzt. Er parkte seinen 100-PSWagen sehr sorgfältig an einer ihm angenehmen Stelle, ging das letzte Stück zu Fuß und bekam Herzklopfen.
War es die Angst vor der ungewissen Diagnose oder kam es vom ungewohnten Marschieren? Herr Direktor Obermüller vermochte es selbst nicht zu sagen. Auch die braungebrannte Sprechstundenhilfe, die mit weiter nichts bekleidet schien als mit einem weißen Kittel, konnte seinen Trübsinn nicht erhellen. Irgendwie war in den letzten Tagen das Wort „Krebs” gefallen, als der Direktor von seinem Leiden sprach. Er war sehr beunruhigt. Er litt an einer fünfmarkstückgroßen Verhärtung an der Stirn, in Fahrtrichtung rechts, die manchmal sogar schmerzhaft war. Es überraschte Herrn Direktor sehr, daß der Doktor eine völlig alberne, nicht zur Sache gehörende Frage stellte. Dennoch mußte er sie durch Kopfnicken bejahen.
„Fahren Sie selbst?” hatte der sehr praktische Arzt gefragt, und dann nicht zum Messer, sondern zum Rezeptblock gegriffen, um Herrn Direktor ein — Beruhigungsmittel zu verschreiben.
,.Nehmen Sie es regelmäßig, vor allen Dingen vor Antritt einer Fahrt. Sie haben vom vielen Vogelzeigen ein bißchen Hornhaut an der überbeanspruchten Stelle Ihrer Stirn bekommen. Ich empfehle Ihnen, den Vogel abwechselnd mit der linken und der rechten Hand zu zeigen, damit sich die Beanspruchung auf beide Stirnhälften gleichmäßig verteilt ..." Damit war der Patient entlassen. Das war ein sehr praktischer Arzt, wie gesagt.
Es gibt viele Möglichkeiten, sich als Deutscher im Ausland zu erkennen zu geben. Dazu gehört das Tragen von Shorts über weißen, behaarten Beinen in anspruchsvollen Badeorten, das Bedecken der Glatze mit einem bunten Taschentuch, dem man die nötige Schwerkraft mit Hilfe von vier Knoten verliehen hat, das Herbeirufen des Kellners vermittels des international verständlichen Rufes „Heh”! und — das Zeigen eines Vogels. Letzteres hat als deutscher Gruß wesentlich mehr Chancen, uns nachbarliche Sympathien zu verscherzen, als das seinerzeitige Erheben der rechten Hand. Denn das war auf tausend Jahre befristet und jeder konnte sich auf den Tag seiner Außerkraftsetzung freuen. Das Vogelzeigen jedoch reicht von der Begegnung der ersten germanischen Ochsenkarren bis weit in die Zukunft. Es wird noch Sitte sein, wenn wir uns dereinst, mit einer atomgetriebenen Düse am Achtersteven, als Luftgänger begegnen. Vor einigen Wochen fuhr ich über eine ausländische Brücke, vor und auf welcher Oberholverbot herrschte, während es am Brückenende aufgehoben war. Die unmißverständliche Kennzeichnung der Aufhebung erlaubte es mir, den vor mir mit dreißig Sächelchen dahinrobbenden deutschen Ferien-Pkw zu überholen. Aber — was geschah? Selbiger begann wie wild zu hupen, so daß ich schon glaubte, er wolle mich darauf aufmerksam machen, daß ich nur noch auf drei Rädern fuhr. Aber als ich in den

überladenen Kleinen hineinspähte, gewahrte ich, daß mir sein Pilot einen überaus heftigen Vogel zeigte, während seine sämtlichen Passagiere die Köpfe schüttelten, als hätten sie Wasser in den Ohren. Was soll man da machen? Zumal dann, wenn man gleich darauf von einem Peugeot überholt wird, dessen französische Insassen herzlich über das soeben Miterlebte schmunzeln und wohl noch für einige Kilometer Gesprächsstoff haben werden.

Lache nie über die Dummheit der anderen. Sie kann deine Chance sein.
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