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MUNSTER
Kategorie: Abschleppdienst: Munster:

Aber dieser und jener macht mir einen Knoten rein. Da setzt sich ein Amerikaner, den ein Belgier fährt, mit 160 vor meine Nase und hält sich für den schnellsten Mann der Welt. Nur ein Trick bringt mich an ihm vorbei: Ich falle ab auf 150 und gehe, scheinbar resignierend, nach rechts, „Aha!” mag er denken, „der gibt auf!”.
Und er begibt sich befriedigt ebenfalls zur Seite. Und nun wird aus dem E wirklich ein Jaguar, wie eine Raubkatze schnellt er vor und faucht von hundertfünfzig auf hundert-neunzig hoch, daß es weit mehr als nur eine Lust ist.
36 mkg haben auf rund 1150 kg Wagengewicht doch allerhand Einfluß, und ein Leistungsgewicht von rund 4,3 kg pro PS muß man letztlich im Gaspedal — und in der Magengegend — spüren. Beim Beschleunigen gibt der Magen Fahrstuhl-Alarm! Und es kostet sie nichts als ein Lächeln.
Die Nerven ruhen einsatzbereit auf Watte, und wenn man sie dann wirklich braucht, sind sie knackfrisch.
Nicht das Fahren beansprucht sie, sondern nur diese und jene Situation. Denn keiner fährt für sich allein!
Eine leichtere Limousine, die speziell für die Partie „Blatt im Herbstwind” konstruiert zu sein scheint, wedelt über den Strich. Ein Lastzugfahrer vermutet in dem aufkommenden silbrigen Fisch nicht mehr als einen Sonnenreflex und schwenkt auf die Oberholspur. Ein MG-Fahrer will mir schnell noch entkommen und begibt sich eben-falls auf die Linke, um an allem übrigen vorbeizustechen. Er ahnt nicht, daß es müde Spatenstiche sind, die er da tut.
Ich stelle überhaupt fest, daß man den aufkommenden Jaguar oft unterschätzt. Viel-leicht sieht er von weitem wie ein Karmann-Ghia aus? Und doch, wenn er erst mal den Rückspiegel ausfüllt, gibt es spontane Seitensprünge. Er sollte einen roten Strich bekommen, und ein roter Strich sollte sich als schnelles Zeichen einbürgern.
Man belästigt ja niemanden, man bittet ja nur um vorschriftsmäßiges Fahren.
Steif weht der Wind das Herbstlaub von links über die Bahn, die Bäumchen neigen sich wie Angelruten, und die bewußten Limousinen zerren an den Nerven ihrer Fahrer, die den Ehrgeiz haben mögen, wenigstens hundert oder neunzig zu halten. Nur um den Jaguar herum ist völlige Windstille, oder?
Er spult den Faden ab, unbeirrt.
Man sitzt ganz tief in ihm und überschaut ihn doch gut, denn er ist selbst zum Drauf-treten niedrig. Mit dem ganz langen Arm läßt er sich nicht fahren, nur mit dem ziemlich langen. Unten an den Pedalen stimmt etwas nicht, denn der Fuß trifft das Bremspedal nie voll, sondern immer schräg rechts. Daß die Bremswirkung nicht darunter leidet, stimmt zwar, aber der Bedienungsgenuß wird dadurch getrübt. Vielleicht ist es Gewohnheit, so wie das Schalten. Zwischen dem ersten und dem zweiten muß man eine Pause einlegen, eine halbe Sekunde, sonst kracht es. Eine Gattungskrankheit der Flunder? Aber sie ist so herrlich schnell, sie beschleunigt so mühelos wie ein junger Hecht.
Dennoch wäre es unfair gewesen, die geschrubbte Flunder genau auszustoppen. Unfair gegen den Jaguar E und unfair gegen meine Familie. Denn die Flunder hatte ihre Tücken. In voller Fahrt machte sie Anstalten, sich zu entblößen, indem sich der Haubenverschluß von selber löste oder die eine Tür, die nur mit Gewalt zu schließen war, sich freiwillig öffnete. Und am Ende einer Autobahnfahrt (Schnitt 175) waren links vorn die Profilrillen fast bis zur Leinwand durchgebrochen. Merke: Eine solche Flunder will zwar geschrubbt, aber mehr noch gepflegt und überwacht werden!
Denn 265 PS, wenn auch nur SAE, nagen fortgesetzt am Lebensnerv eines solchen Autos — wenn man sie nagen läßt.
Man sollte sie weise nutzen, es geht ganz leicht. Man kann dieses Auto ohne viel Fingerspitzengefühl (außer beim Start, wenn sich die Pferde auf die Hinterräder stürzen) ganz zahm fahren. Im Stadtverkehr ist der IV. Gang noch für 40 km/h gut, im III. läßt sich so gut wie alles machen, und wenn man will, dann fährt man ganz leise. Auf Wunsch brüllt die Flunder aber auf, als ob sie am Spieß hinge. Sie liegt so gut, und zwar in jeder Art von Kurven, daß es sich lohnt, dafür ein neues Wort zu prägen:

Lieber heimlich schlau als unheimlich blöd.
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