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SCHNEVERDINGEN
Kategorie: Autoboerse: Schneverdingen:

1a-moebel24

Eintrag vom: 19.01.2006.
http://www.1a-moebel24.de

wurde und polternd vom Stuhl fiel. Er wird Automobile bauen! In mir erklang eine feierliche Hymne, es mag "White Christmas" gewesen sein. Tausendmal habe ich geträumt, ich sei ein Sohn von Henry Ford — und habe Automobile gebaut. Später heiratete ich im Traum mehrere Borgward-Töchter und baute wieder Automobile!
Meine Typen brachen in den Markt ein, daß man von keinem Aktienpaket zu sagen vermochte, was hinten und vorne war. Der Wankel-Motor ist dagegen ein simples Zubehör, eine Radzierkappe, nicht mehr. Um ein Haar hätte ich die Champion-Produktion fortgeführt. Mir fehlten etwa Neunhundertfünfzigtausend Mark — und nun kam dieser, und er hatte einen toten Amerikaner an der Hand ... Ich holte Papier und Bleistift aus der Tasche und begann, zu konstruieren. Nein, wir begannen zu konstruieren!
Da wir nur einen Bleistift hatten, nahmen wir ihn uns gegenseitig weg.

„Wir werden Automobile bauen!” riefen wir aus, als der aufgeschreckte Kellner vor uns hintrat und dreist nach irgendeinem Begehr fragte, das wir nicht hatten. Im Verlaufe einer knappen Viertelstunde hatten wir die Form des Wagens bis zur schlichten Sachlichkeit eines Schuhkartons vereinfacht. Die revolutionäre Idee, ihn auch noch mit einem Deckel zu versehen, um den Aufwand von Türen zu sparen, schoben wir zunächst wieder beiseite. Wir hielten uns eine ganze Weile mit der Namensfindung auf. Ein solches Automobil beanspruchte eine außergewöhnliche Typenbezeichnung. Drum verfielen wir auf „Einheitsmobil”, mußten aber zugeben, daß dieser Name für alle Arten von Werbung, außer einem schlichten Reim, recht ungeeignet war. So entzogen wir ihm die Buchstaben „EMIL” und nannten ihn so. Warum auch nicht? Schließlich hatte man aus „Neckarsulm” noch weniger gemacht, und es war unbestreitbar etwas daraus geworden. Wir wollten den Caravellen und Kapitänen, den Thronfolge-rinnen und Silberwolken etwas entgegen stellen. Einen Landsknecht, auf den Namen Emil hörend ...
Wir waren uns darüber einig, daß der Automobilbau nicht aus dem Jugendstil heraus kommen wollte, während ihm die Industrie für Baubeschläge und Beleuchtungskörper auf und davonlief. Früher bestand eine Türklinke aus Rosetten, Kügelchen und Hüftund Brustweiten, heute ist sie schon ein schlichter Griff! Ganz im Gegenteil zu unseren Automobilen. Eine Pille, die man runterschlucken soll, ist rund. Niemand, außer einem Verrückten, käme auf die Idee, sie in Würfelform zu produzieren.
Ein Automobil ist dafür bestimmt, Menschen und andere sperrige Gegenstände auf-zunehmen und sie von A nach B zu transportieren. Warum, um alles in der Welt, ist noch niemand auf den Schuhkarton gekommen? Mich überfiel ein schrecklicher Gedanke. „Wir haben”, so gab ich kleinlaut zu bedenken, „wir haben den Luftwiderstand unberücksichtigt gelassen ...” Doch der alte Buick winkte verächtlich ab.
„Unser EMIL”, so prophezeite er, „wird eine Spitze von hundert haben, und er wird bis dahin ein rasanter Beschleuniger sein. Das genügt!”
„Es genügt vollkommen!” pflichtete ich ihm bei.
„Wenn man zum Militär einrückt”, argumentierte er, und ich fuhr unwillkürlich ein wenig zusammen, „ergibt sich die Notwendigkeit, die unterschiedlichsten Gegen-stände ohne größeren Aufwand sinnvoll unterzubringen. Was tut man? Man greift seit Generationen zum Persil-Karton! Er ist die Idealform des zweckmäßigen Behältnisses.”
„Wir werden die Persil-Linie schaffen!” rief ich aus, „wir werden doch durch den Deckel einsteigen! Es wird eine Revolution geben!” Ich war volltrunken, obwohl mein Schal nur eine Hühnerbrühe zu sich genommen hatte. Es war die Stimmung, in der ich grauhaarige Betschwestern für muntere Teenager halte.
Da fiel uns ein, daß der Schuhkarton leer war. Wir hatten noch den Motor, das Fahrgestell und die Inneneinrichtung zu konstruieren. Diese gewaltige Aufgabe focht den alten Buick nicht an. Mit einem Hirschfänger begann er meinen Bleistift zu spitzen, daß ich minutenlang in eine Wolke von Schrapnellsplittern getaucht war. Dann setzten wir auf der
Der Kluge lässt sich belehren, der Unkluge weiß alles besser.
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