Kategorie: Autoboerse: Soltau:
Es ist ganz unbestritten, daß Reisen bildet ...!
Emil 1 — die Geschichte eines Traumwagens
Wenn so etwas am Wege steht, dann halte ich an. Vorausgesetzt, daß die Situation und meine Frau es mir erlauben. Meine Frau war nicht dabei, und die Situation war keine. Also, hielt ich an.
Kennen Sie das Gefühl?
Das Herz verwandelt sich in eine Einspritzpumpe, und im Mund strömt Kondenswasser zusammen, das man hörbar herunterschlucken muß. Da stand sie am Wege. Ich übersehe so etwas nie!
Meine Frau sagt, noch wenn sie meinen Sarg daran vorüber-tragen, würde ich den Deckel lüften, um es mir anzuschauen. Sie denken an ein Mädchen vom Jahrgang Neunzehnhundertdreiundvierzig, wie? Aber ich muß Sie enttäuschen?
Es war eine Buick-Limousine aus dem Jahre Neunundzwanzig, gebaut in Detroit und so gut intakt, als wäre sie vorgestern vom Band gerollt. Ich umkreiste sie in verhaltener Erregung etwa dreieinhalbmal, robbte einmal längs und einmal quer unter ihr hindurch und bemerkte dann einen alten Heidegasthof, der hinter ihr stand.
Es war einer von denen, die wahrhaftig noch schlafen. Was sie auch bitter nötig haben, weil sie an den Wochenenden überfallen und restlos ausgeplündert werden. Ihn betrat ich, Interesse an einer Hühnerbrühe heuchelnd.
Diesmal haben Sie richtig getippt. Es ging mir um den Besitzer des Buick. Oh Glück, er war bereits serviert! Ich erkannte ihn sofort, weil er nicht anders aussah als ein neunundzwanziger Buick.
Man sagt, daß Herren das Gesicht ihres Hundes bekämen. Dieser aber trug das Gesicht seines Wagens. Er war aus bestem Material gearbeitet, zwar ein wenig aus der Mode gekommen, aber zweifellos ein Liebhaberstück. Jedes Heiratsbüro würde ihn mit Kußhand in Zahlung nehmen. Ich setzte mich zu ihm, ließ mir eine Hühnerbrühe kommen und machte ein Gesicht, als ob der Hauptfilm gleich beginnen müßte.
„Eine der erfreulichsten Eigenschaften der Amerikaner”, so eröffnete er das Gespräch, ohne daß wir uns einander vorgestellt hatten, „ist die, sorglos in den Tag hinein zu sterben ...”
Ich. glaube, ich hob die linke Augenbraue etwas, es kann aber auch die rechte gewesen sein.
„Sie entfernen sich von dieser Erde, ohne die primitivsten Dinge geordnet zu haben”, fuhr er fort.
„Sie sind ein Volk von Weltraumfahrern”. gab ich zu bedenken. Aber er winkte ab. "Während man hierzulande schon zu Lebzeiten eine Erklärung darüber unterzeichnet, wer in den Genuß der Lebensversicherung gelangen soll, hinterlassen sie Millionen, die nur mühsam an den Mann zu bringen sind. Am Ende fallen sie einer gehbehinderten Putzfrau zu, die in Tremsbüttel wohnt.«
An der Art, wie ich die inzwischen eingetroffene Hühnerbrühe mit dem Löffel um-wälzte, mochte er erkennen, daß mich der Oktangehalt seiner Worte enttäuschte. Zweifellos hatte er mich unter dem Buick hindurchrobben sehen. "Ich rede von meinem Traumwagen", tröstete er mich, auf Frühzündung gehend, "dessen wesentlicher Bestandteil ein toter Amerikaner sein wird."
125 Kubikzentimeter Hühnerbrühe ergossen sich auf meinen saugfähigen Schal. Er will aus einem toten Ami einen Zentralrohrrahmen machen, kombinierte ich. Wahrscheinlich unter Ausnützung der Leichenstarre! Dieses neuartige Material versetzte mich in Verwirrung, mich, der ich täglich auf den Nylonkolben gefaßt bin!
"In meiner Familie", so hörte ich den Alten raunen, "hält sich seit Generationen das Gerücht, der Bruder meines Urgroßvaters sei nach einer zu seinen Ungunsten aus-gegangenen Wirtshausschlägerei nach den Staaten ausgewandert." In mir wurde eine Nebellampe eingeschaltet.
"Und — er lebt noch immer .. . ?" warf ich ein, einer übereilten Schlußfolgerung zum Opfer fallend. Aber ich erfuhr, daß sich darüber nichts Genaues sagen ließe, da man nie wieder etwas von jenem gehört habe. Das enttäuschte mich ein wenig, doch der alte Buick kroch über die Tischplatte auf mich zu, wie ein DS 19 mit defekter Niveauverstellung. Er rang mir einen Teil der Hühnerbrühe aus dem Schal aufs Hosenbein und zog mich zu sich herunter.
"Ich werde Autos bauen, wenn es soweit ist!" Dabei schlug er mit der flachen Hand derartig auf die Tischplatte, daß der im Hintergrund schlafende Kellner aus der Kurve getragen
Der Klügere gibt so lange nach, bis er der Dümmere ist.
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Es ist ganz unbestritten, daß Reisen bildet ...!
Emil 1 — die Geschichte eines Traumwagens
Wenn so etwas am Wege steht, dann halte ich an. Vorausgesetzt, daß die Situation und meine Frau es mir erlauben. Meine Frau war nicht dabei, und die Situation war keine. Also, hielt ich an.
Kennen Sie das Gefühl?
Das Herz verwandelt sich in eine Einspritzpumpe, und im Mund strömt Kondenswasser zusammen, das man hörbar herunterschlucken muß. Da stand sie am Wege. Ich übersehe so etwas nie!
Meine Frau sagt, noch wenn sie meinen Sarg daran vorüber-tragen, würde ich den Deckel lüften, um es mir anzuschauen. Sie denken an ein Mädchen vom Jahrgang Neunzehnhundertdreiundvierzig, wie? Aber ich muß Sie enttäuschen?
Es war eine Buick-Limousine aus dem Jahre Neunundzwanzig, gebaut in Detroit und so gut intakt, als wäre sie vorgestern vom Band gerollt. Ich umkreiste sie in verhaltener Erregung etwa dreieinhalbmal, robbte einmal längs und einmal quer unter ihr hindurch und bemerkte dann einen alten Heidegasthof, der hinter ihr stand.
Es war einer von denen, die wahrhaftig noch schlafen. Was sie auch bitter nötig haben, weil sie an den Wochenenden überfallen und restlos ausgeplündert werden. Ihn betrat ich, Interesse an einer Hühnerbrühe heuchelnd.
Diesmal haben Sie richtig getippt. Es ging mir um den Besitzer des Buick. Oh Glück, er war bereits serviert! Ich erkannte ihn sofort, weil er nicht anders aussah als ein neunundzwanziger Buick.
Man sagt, daß Herren das Gesicht ihres Hundes bekämen. Dieser aber trug das Gesicht seines Wagens. Er war aus bestem Material gearbeitet, zwar ein wenig aus der Mode gekommen, aber zweifellos ein Liebhaberstück. Jedes Heiratsbüro würde ihn mit Kußhand in Zahlung nehmen. Ich setzte mich zu ihm, ließ mir eine Hühnerbrühe kommen und machte ein Gesicht, als ob der Hauptfilm gleich beginnen müßte.
„Eine der erfreulichsten Eigenschaften der Amerikaner”, so eröffnete er das Gespräch, ohne daß wir uns einander vorgestellt hatten, „ist die, sorglos in den Tag hinein zu sterben ...”
Ich. glaube, ich hob die linke Augenbraue etwas, es kann aber auch die rechte gewesen sein.
„Sie entfernen sich von dieser Erde, ohne die primitivsten Dinge geordnet zu haben”, fuhr er fort.
„Sie sind ein Volk von Weltraumfahrern”. gab ich zu bedenken. Aber er winkte ab. "Während man hierzulande schon zu Lebzeiten eine Erklärung darüber unterzeichnet, wer in den Genuß der Lebensversicherung gelangen soll, hinterlassen sie Millionen, die nur mühsam an den Mann zu bringen sind. Am Ende fallen sie einer gehbehinderten Putzfrau zu, die in Tremsbüttel wohnt.«
An der Art, wie ich die inzwischen eingetroffene Hühnerbrühe mit dem Löffel um-wälzte, mochte er erkennen, daß mich der Oktangehalt seiner Worte enttäuschte. Zweifellos hatte er mich unter dem Buick hindurchrobben sehen. "Ich rede von meinem Traumwagen", tröstete er mich, auf Frühzündung gehend, "dessen wesentlicher Bestandteil ein toter Amerikaner sein wird."
125 Kubikzentimeter Hühnerbrühe ergossen sich auf meinen saugfähigen Schal. Er will aus einem toten Ami einen Zentralrohrrahmen machen, kombinierte ich. Wahrscheinlich unter Ausnützung der Leichenstarre! Dieses neuartige Material versetzte mich in Verwirrung, mich, der ich täglich auf den Nylonkolben gefaßt bin!
"In meiner Familie", so hörte ich den Alten raunen, "hält sich seit Generationen das Gerücht, der Bruder meines Urgroßvaters sei nach einer zu seinen Ungunsten aus-gegangenen Wirtshausschlägerei nach den Staaten ausgewandert." In mir wurde eine Nebellampe eingeschaltet.
"Und — er lebt noch immer .. . ?" warf ich ein, einer übereilten Schlußfolgerung zum Opfer fallend. Aber ich erfuhr, daß sich darüber nichts Genaues sagen ließe, da man nie wieder etwas von jenem gehört habe. Das enttäuschte mich ein wenig, doch der alte Buick kroch über die Tischplatte auf mich zu, wie ein DS 19 mit defekter Niveauverstellung. Er rang mir einen Teil der Hühnerbrühe aus dem Schal aufs Hosenbein und zog mich zu sich herunter.
"Ich werde Autos bauen, wenn es soweit ist!" Dabei schlug er mit der flachen Hand derartig auf die Tischplatte, daß der im Hintergrund schlafende Kellner aus der Kurve getragen
Der Klügere gibt so lange nach, bis er der Dümmere ist.
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