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BISPINGEN
Kategorie: Autohandel: Bispingen:

So manches Auto wird mir durch seine Lenkradschaltung verleidet. Wollen wir einen Verein für die Wiedereinführung des schlichten Mittelschalthebels gründen? Ja, es ist ein herrlicher Anblick. Früher habe ich auch solche Burgen genossen. Als die Straßen noch halb so voll und mein Auto offen und im Benzintank ein Reservehahn war. Jetzt suche ich eine Tankstelle. Diese Benzinuhr lügt wie ein Politiker im Wahlkampf. Schau Dir das an. Jetzt ist sie dreihundert Kilometer lang kaum bis an die Mittellage herangekommen und man freut sich über seine sparsame Schuhsohle, und nun kippt sie auf den nächsten hundert Kilometern bis auf Null ab. Sie macht das schneller, als an dieser Strecke Tankstellen gebaut worden sind. Man vergaloppiert sich ernstlich, denn wenn man vom Mittelstrich an wieder mal hinschaut, steht die Nadel schon im roten Feld. Die Nadel arbeitet progressiv. Das ist der Fachausdruck für Benzinuhr-Schwindel. Die Leute im Werk wissen es so, wie sie wissen, daß der Tacho voreilt, weil er ausdrücklich voreilen soll.
Es ist derselbe Zauber wie mit den Schaumgummi-Busen. Wir Männer werden veralbert auf Teufel komm raus. Wenn wir endlich dahinterkommen, ist viel weniger drin als es den Anschein hat.
Im Tank, in der Geschwindigkeit und überhaupt. Eine Benzinuhr, ein Geschwindigkeitsmesser und ein moderner Busen sind ohne angeflanschten Lügendetektor nicht ernst zu nehmen. Nun flanschen Sie aber mal .. .
Woran ich denke? Natürlich an die Autos, mein Schatz. Du weißt doch, ich kann es nicht lassen. Ich denke an die herrlichen Zeiten, als die Autos noch keine Benzinuhr, dafür aber einen handfesten Reservehahn hatten, als die Fabriken noch Wert auf möglichst genau gehende Tachometer legten, und als es noch keinen Schaumgummi gab. Wie ich auf Schaumgummi komme? Na, man saß viel fester damals auf den ollen ehrlichen Polstersitzen .. .
Nein, ich sehe auch nichts. Aber es liegt nicht an den Wischerblättern, denn die sind ja neu wie das ganze Auto. Es liegt am Anpreßdruck, der nicht da ist. Ein Seiten- oder Fahrtwind genügt, um die Wischer von der Scheibe abzuheben. Und da, wo die moderne Scheibe sich modisch wölbt, da wischen die Dinger auch dann nicht, wenn das Auto steht. Der Wischermotor arbeitet in zwei wählbaren Geschwindigkeiten, weil das heute in keinem Prospekt fehlen darf. Aber um Luft zu zerteilen, dafür würde eigentlich eine Geschwindigkeit genügen. Die Wischer sind eifrig, und der Scheibenwascher spritzt wie die Feuerwehr, aber ich sehe trotzdem nichts. Wie kann man allen Ernstes solche Autos bauen?
Weiß niemand, wie wichtig das Gaspedal ist? Man steht mit seinem rechten Fuß so lange davor, wie man überhaupt Auto fährt. Also sollte man dem rechten Fuß Gelegenheit geben, es sich bequem zu machen. Eine Binsenweisheit, gewiß, aber sie ging längst in die Binsen, wie mir scheint.
Na endlich, ich muß jetzt tanken, wir pfeifen bereits auf dem Loch, das kurz nach dem letzten kommt. Um nach Wasser und öl zu sehen, muß man die Motorhaube öffnen. Das war früher ganz einfach. Man zog an zwei handgerechten Griffen und klappte die Haube hoch. Heute kriecht man erst einmal mit dem Oberkörper unter das Armaturenbrett und zieht zweimal am falschen und erst dann am richtigen Knopf. Damit gewinnt man aber nur zwei Zentimeter Haubenöffnung. Jetzt begibt man sich nach vorn und steckt die Fingerkuppen in eine Art bissiges Haifischmaul, bis man einen viel zu kurzen und scharfgratigen Hebel zu fassen hat, den man irgendwohin bewegen muß. Bei manchen Autos nach rechts, bei manchen nach links, bei manchen nach unten, bei manchen nach oben. Bei fast allen zieht man die Finger mit abgebrochenen Nägeln wieder raus. Bei den Kofferraumdeckeln ist es oft nicht anders. Sie haben keinen Griff, gehen aber trotzdem schwer auf. Man muß drunterfassen, ohne Platz zum Drunterfassen vorzufinden. Der restliche Fingernagel paßt aber meistens in den Spalt rein. Und damit haben die Konstrukteure wohl auch gerechnet. Stell' Dir eine Haustür vor ohne Klinke und Knopf, an der man aber ziehen muß, damit sie aufgeht. Das ist ein Kofferraumdeckel 1963.

Ehrlich währt am längsten. Aber wer hat schon so viel Zeit.
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