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WINSEN
Kategorie: Autohandel: Winsen:

der Batterie und führt den Schlauch hinter dem Rücksitz durch in den Kofferraum, wo man ihn schließlich mit einem Gummisauger unter dem Fenster befestigt.”
Ich staune. „Der Tip ist auch aus der ,Guten Fahrt', von einem Pfarrer aus Schwaben”, sagt er, ohne zu erklären, wie denn der Pfarrer zu einer leergeschossenen Patronen-hülse gekommen sein mag. Ich selbst habe seit fünfzehn Jahren keine mehr gesehen. Die Pauschal-Safari des ADAC ist mir zu teuer, und ich gehöre auch keiner Untergrundbewegung an. Ich empfehle ihm, seinen nächsten Urlaub in Algerien zu verbringen, mehr kann ich im Augenblick nicht für ihn tun.
Jetzt habe ich nur noch einen Wunsch. Ich möchte raus! Aber durchs Garagentor werde ich so leicht nicht kommen.
„Ich muß”, rufe ich plötzlich und springe auf, „ich muß meinen Wagen zur Inspektion bringen, er ist angemeldet!” Mit diesem Ruf pflanze ich mich ins Innere der Garage fort, an etwa acht Volkswagen vorbei in die Richtung meines ahnungslosen Sechszylinders. Der Weg scheint mit Dornen verpflastert. Es zerrt und rupft an mir. Es ist, als ob ich durch Unterholz bräche. Es ist der Mann, der neben und hinter mir her-hüpft und mir erzählt, daß man mit Hilfe einer fingerlangen Kleinstfahrradleuchte und eines ebensolchen Schlußlichtes und zweier 1,5-Wattbirnchen und einem stromführenden Kabel vom Hupenknopf in den Sicherungskasten und von da zum Schalter und von da zu den Leuchten im Werte von viermarksiebzig sich eine wunderbare Parkleuchte basteln könne .. .
Inzwischen bin ich drin in meinem Sechszylinder. Ich höre, daß man nur zwei soundso hohe und breite Kisten braucht, um sich mit deren und noch einiger Hilfe zwei wunder-volle Liegesitze zu konstruieren, die urlaubsabends mühelos in zweieinhalb Stunden zu errichten sind. Da springt mein Motor an. Aufatmend presche ich durchs Tor. Dann drücke ich dem Monteur in der Sechszylinder-Werkstatt meinen Wagen in die Hand. Wo hätte ich auch hinfahren sollen? Ich werde jetzt nach Hause laufen müssen, denn ich habe kein Geld für eine Taxe bei mir, und bevor ich eine Straßenbahn besteige, gehe ich lieber barfuß. Aber der Monteur macht so ein erwartungsvolles Gesicht. Ob er mich nach Hause bringen solle? fragt er höflich, und doch klingt es ein bißchen wie eine Falle. Aber ich bin zu durchgedreht, um zu wissen, wo ich meinen sechsten Sinn habe. Freudig nicke ich ihm zu.
Er verschwindet in der Halle und ich stelle mich draußen vor das Tor. Es krabbelt angenehm in mir, denn ich werde gleich meinen Wagen kommen sehen, so von vorn, wie man ihn sonst selber niemals fahren sieht. Aber da schiebt sich plötzlich eine kurze, stratoblaue Schnauze um eine ganz andere Ecke, es hupt und springt auf mich zu wie ein fröhliches Tier. Es hält neben mir und macht die Tür weit auf. Und die Stimme des Monteurs ruft mir etwas zu, und dann orgeln wir los in einem VW, in seinem VW.
„Na?” sagt es neben mir und noch einiges mehr. Aber ich kann es zunächst nicht verstehen. Der Motor ist ein wenig laut bei dem Hochgejage im zweiten und dritten Gang.
„Toll was?” dringt es an mein linkes Ohr, „leise wie ein paar Wollsocken! Es war ganz einfach. Ich habe die hinteren Verkleidungen abgenommen und mit einem Spachtel sechs Kilo Teroson gleichmäßig verteilt. Einmal hat er auch nachgedieselt, aber halb so schlimm, ich habe ganz einfach ...”
„Halt!” schreie ich, „um Himmelswillen halt! Ich muß raus! Da läuft einer, von dem bekomme ich noch hundert Mark . . .” Ja, er sieht es ein. Er hält. — Ich stehe mutterseelenallein mitten in einem fremden Stadtteil neben einer Bedürfnisanstalt.
Ich weiß nicht, wo ich bin und ich habe sogar meinen Namen vergessen. Ich weiß nicht einmal, was man gegen das Nachdieseln unternimmt. Der Monteur hat es weggekriegt. Wahrscheinlich hat er die Rückseite einer Hundehütte in gleichmäßige Streifen zersägt, diese mit einem 4,5 cm breiten Leukoplaststreifen umwickelt, das ganze in Dieselöl getaucht und über Kreuz angezündet. Man braucht dann wahrscheinlich nur den Vergaser darüberzuhalten und ihn auszuglühen. Irgend so etwas.
Es ist gut, daß Sie mir jetzt nicht begegnen. Ich könnte mich nicht einmal vorstellen. Ich
Lache nie über die Dummheit der anderen. Sie kann deine Chance sein.
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