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LUENEBURG
Kategorie: Autotuning: Lueneburg:

Der französische Boxer Carpentier kassierte für ein 70-Tage-Gastspiel in den USA sieben Millionen Mark bester Währung. Alle Prominenten, vom Boxer über die Filmdiva bis zum Reichspräsidenten v. Hindenburg, ließen sich gern in offenen Touren-wagen fotografieren, Hindenburg in einem Opel.
Mein Vater lag die meiste Zeit unter seinem Auto, und als ich soweit war, daß ich schon im Freien liegen durfte, lag ich neben ihm. Manche Gäste unseres Hauses haben von ihm nur die Beine gesehen. Damals trug man noch lange Unterhosen und Sockenhalter ...
Meiner Mutter machte mein Vater immer weis, daß es etwas an dieser „elenden Karre” zu reparieren gäbe. Ich kam aber bald dahinter, daß er mit dem Auto nur spielte. Er schraubte etwas ab und wieder an und machte dabei ein verklärtes Gesicht. Ich habe den Papa Benz ja nicht gekannt, aber ich behaupte, daß es ihm ganz einfach Spaß machte, das Automobil zu erfinden.
Heute deutet man es natürlich anders. Im Jubiläumsjahr des Automobils werden viele kluge, ehrende und feierliche Worte gesprochen. Und die, die heute noch Automobile bauen, fühlen sich angenehm betroffen. Dabei geht sie das gar nichts an. Sie machen Geld aus Automobilen, das ist alles. Ich bin sehr betrübt darüber, daß es einigen wenigen gelungen ist, das Automobilgeschäft an sich zu reißen. Das Jubiläumsjahr gehört in Wirklichkeit denen, die Automobile bauten und nicht produzierten. Die mit ihrem Werk untergingen oder es aus ihren Händen gleiten sahen, in die Hände von Aktionären und Gesellschaftern.
Ich habe ein paar der guten goldenen Jahre noch miterleben dürfen. Damals fuhr das Wanderer Puppchen noch herum, der Opel Doktorwagen, der Piccolo aus Apolda und das Mauser-Einspurauto. Ich habe in einem Pluto gesessen, in einem Ley, in einem Simson-Supra, in einem Röhr, in einem Brennabor, in einem Hanomag Kommisbrot — denn mein Vater hatte viele Freunde. Wenn er von A. nach B. fahren wollte (dazwischen lagen einige kurvenreiche Bergstrecken), dann läutete er zuvor bei seinem Automobilclub an. Der postierte in A. wie auch in B. einen Herrn in Breecheshosen, Wickelgamaschen und Sportmütze mit einer möglichst genau gehenden Uhr am Ortseingang, denn wir machten zwischen A. und B. immer irgendeinen Rekord, wenn wir das Ziel erreichten. Manchmal blieben wir auf der Strecke.
Aber wir behoben fast alles selber, bis auf das, was wir den Ärzten überlassen mußten. Im Handbuch des Deutschen Touring-Club von 1928 konnte man „einige Winke für die Landstraße” finden. Das war es, was einem damals zugewunken wurde: „Eine gebrochene Spurstange läßt sich mit einfachen Mitteln wieder verbinden. Man verschaffe sich mindestens drei etwa 50 cm lange, daumendicke Hölzer, die an einer Seite glattgeschnitzt werden müssen, damit sie sich an die Spurstange gut anschmiegen können. Die Hölzer werden sodann um die Spurstange herumgelegt und mehrmals mit Draht zusammengebunden.
Auch der Verlust einer ,Stöpselmutter' an der Stoßstange kann notdürftig behoben werden, indem man sich hierzu einen Ast in größerer Dicke als notwendig absägt ...” Zum Glück endet dieser Ratschlag mit dem Hinweis: „Daß man mit einer solchen Steuerung langsam fährt, versteht sich wohl selbstverständlich!” Wir hatten denn auch immer einige Rundstäbe, Holzkeile in allen Größen, Drähte und Schlauchstücke in allen Stärken, einen Engländer von 5 kg Eigengewicht, einen Lötkolben und aus Konservendosen gewonnene Blechstreifen aller Formate an Bord. Ein Leck im Waben-kühler wurde damals mit gut durchgekautem Kommißbrot verstopft. Ich habe das im Krieg nochmal probiert, und es klappte immer noch, obwohl das Brot mit Sägemehl vermischt war.
Einmal rutschte meinem Vater in einer scharfen Rechtskurve irgendein Splint aus der Lenkung. Es kam damals noch auf einzelne Splinte an. Seitdem trägt der betroffene Birnbaum keine Früchte mehr und mein Vater ein Stützkorsett. Das Auto lag vollkommen zerkleinert vor dem mannsdicken Baum und ein Freund meines Vaters war aus denn offenen Wagen heraus zwanzig Meter weit auf einen weichen Acker geflogen. Es wäre ihm nicht das Geringste geschehn, hätte er nicht den kleinen Koffer, den er in der Sekunde des Unfalls gerade unterm Arm hatte, mitgenommen. Dieser zerschlug ihm einige Rippen. Mein Vater sagt ihm noch heute nach, er habe mit dem Reiseproviant abhauen wollen.

Lieber Kies in der Tasche als Sand im Getriebe.
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