Kategorie: Autoversicherung: Luechow:
Denn was ich meine, das ist das wartungsfreie Automobil. Es sollte so gebaut sein, daß man jeweils zehntausend Kilometer damit fahren kann, ohne es fortgesetzt befummeln zu müssen.
Ein modernes Auto ist jedoch kurzlebiger als ein altes. Was man auf den ersten zehn-tausend Kilometern erlebt, das verteilte sich früher auf die ersten hunderttausend. Unsere Autos sind zwar schneller, fahrsicherer und sparsamer geworden, aber sie taugen nicht mehr allzuviel. Sie sind menschenähnlich, überzüchtet, degeneriert und bettlägerig — und sie bluffen gern.
Der wahre Fortschritt schreitet nicht, er schlurft. Noch immer müssen wir uns in den Gängen hoch- und wieder herunterarbeiten, wenn wir Kolonne fahren, Berge erklimmen und an Verkehrsampeln ankommen.
Ich fuhr dieser Tage ein paar hundert Kilometer im Daffodil. Ich schalte gern, aber nun weiß ich erst, wie blödsinnig das in Wirklichkeit ist. Es geht auch mit einem einzigen Fahrpedal, und es geht damit sogar sehr viel besser. Warum muß uns das ein Außenseiter (es ist der erste Personenwagen, den Daf baut) bescheren? Warum
wurde ein solches oder ähnliches System nicht seit zwanzig Jahren, also immerhin erst vom 55. Jahr des Automobils an, konsequent zu Ende gedacht, so daß es heute in allen kleinen Wagen eine Selbstverständlichkeit sein könnte?
Fragen Sie mich nicht, welche Lösung ich meine. Ich bin da, um mir Geschichten und keine Drehmomentwandler einfallen zu lassen. Aber ich bin sicher, daß das Dafsche Variomatic eine Menge Leute aufgeweckt hat; man wird sich etwas einfallen lassen müssen! Die ganz Alten, wie Benz, Ford, Diesel und Porsche, die traten sich fort-gesetzt selbst in den Hintern; heute muß der Tritt von draußen kommen.
Auch der Saxomat kam erst, als es längst die Ferlec-Kupplung gab, mit der die kleinen französischen 4 CV ausgerüstet waren.
Den Alten mußte alles selber einfallen: sie hatten noch keinen Vergaser, keine Zünd-spule, kein Differential, noch keine Achsschenkellenkung, kein Schaltgetriebe, keine Trommelbremse. Für all das brauchten sie nur ein paar Jährchen; sogar die Luftbereifung mußte aus dem Boden gestampft werden. Das Automobil entstand aus dem Nichts — und heute vervollkommnet es sich aus dem Vollen nur schleppend.
Aus Pioniergeist wurde Krämergeist. Nicht ohne Grund kommen Pioniertaten auch heute noch von unten, von da, wo einer klein anfangen muß. Auch die Großen sollten eine Pionierabteilung unterhalten, ein paar talentierte Fanatiker im letzten Seitenflügel, die sich das Auto von morgen zur Aufgabe stellen, ohne dabei auf das Auto von heute zu bauen, das sich höchstwahrscheinlich auf einem falschen Geleis tot-gelaufen hat. Ich glaube nicht, daß es sich für die Zukunft eignet.
Bleiben wir nun aber in der Gegenwart, so sehen wir uns vor die lächerliche Aufgabe gestellt, den Schmiernippel abzuschaffen. Weil wir ein fast wartungsfreies Auto brauchen! Wir brauchen es, weil bald keiner mehr da ist, der es warten könnte. Und wir drohen an dieser Aufgabe zu scheitern.
Was ich allein während meiner Schmiernippel-Recherchen erlebte, das könnte eine lustige Geschichte füllen. In einem Werk wurde der Hörer so lange hingelegt, wie sich ein Meister nach draußen begab, sich unter den Wegen legte, um die Schmiernippel zu zählen. Werksvertretungen gaben den Hörer von Mann zu Mann, ohne am Ende mit der gewünschten Auskunft dienen zu können.
Schmiernippel? Um Himmels willen, was soll das? Da will einer wissen, wie viele Schmiernippel ... Es ist eine Frage, die sonst weder gestellt noch diskutiert wird. Wer garantiert uns dann, daß der Lehrling, der unseren Wagen abschmiert, wirklich weiß, wo und wie oft er die Presse ansetzen muß? Keiner, nur wir selbst, die wir uns unter das Auto legen und jeden Nippel kontrollieren müßten.
Daß wir das Auto mit den wartungsfreien Lagern fordern, ist keine Marotte. Vielleicht halten die Autos wirklich ein bißchen länger, wenn sich die Lager selbst warten? Es ist anzunehmen, weil ein Lager weder zerstreut noch gewerkschaftlich organisiert ist. Inzwischen werden dann auch die Griechen, die Spanier und die Italiener das Zusammenbauen gelernt haben. So gut, daß es unangenehm auffallen wird, wenn die deutschen Kollegen pfuschen. Dann fällt vielleicht ein neues Auto nicht schon im Schaufenster auseinander.
Wenn wir dann nur noch alle zehntausend Kilometer in die Werkstatt müssen (so, wie ein guter Bundesbürger alljährlich einmal zur Röntgenuntersuchung geht), wenn wir nicht mehr zwischen diesen Zeiten irgendwelche Teile verlieren oder Wasser und öl, dann wollen wir beginnen, ganz leise vom wartungsfreien Automobil zu reden. Das wäre dann der Zeitpunkt, da ein Werkstattleiter seinem Chef mit Stolz berichtet: „Wir haben dreihundert Kunden, und in diesem Monat haben sich nur dreizehn davon sehen lassen — so gut ist das neue Modell!” Somit wären wir nun an dem Punkt, an dem sich der Hund in den Schwanz beißt: Das wirklich wartungsfreie Auto ist für die Automobilwirtschaft ebenso uninteressant wie für die Textilindustrie der laufmaschensichere Strumpf. Es wird nicht kommen! Denn ein Auto baut man nicht nur, damit der Kunde damit fahren, sondern auch, damit der „Kundendienst” davon leben kann. Das ist ein ökonomisches Grundgesetz erster Ordnung. Freuen wir uns getrost auf den Wegfall der Schmiernippel, aber seien wir gewiß, daß unsere Werkstattbesuche nicht wegfallen werden.
Wer die Dummköpfe gegen sich hat, verdient Vertrauen.
Verzeichis: Auto Autovermietung Autohaus Gebrauchtwagen Autoboerse Autoversicherung Werkstatt Autohandel Abschleppdienst Quad Neuwagen Caravan Autotuning Leasing Autoverwertung LKW Autoersatzteile Autoanzeigen Fahrschule Tachojustierung Ferienfahrschule Landtechnik Ersatzteile Busreisen Kranverleih
Denn was ich meine, das ist das wartungsfreie Automobil. Es sollte so gebaut sein, daß man jeweils zehntausend Kilometer damit fahren kann, ohne es fortgesetzt befummeln zu müssen.
Ein modernes Auto ist jedoch kurzlebiger als ein altes. Was man auf den ersten zehn-tausend Kilometern erlebt, das verteilte sich früher auf die ersten hunderttausend. Unsere Autos sind zwar schneller, fahrsicherer und sparsamer geworden, aber sie taugen nicht mehr allzuviel. Sie sind menschenähnlich, überzüchtet, degeneriert und bettlägerig — und sie bluffen gern.
Der wahre Fortschritt schreitet nicht, er schlurft. Noch immer müssen wir uns in den Gängen hoch- und wieder herunterarbeiten, wenn wir Kolonne fahren, Berge erklimmen und an Verkehrsampeln ankommen.
Ich fuhr dieser Tage ein paar hundert Kilometer im Daffodil. Ich schalte gern, aber nun weiß ich erst, wie blödsinnig das in Wirklichkeit ist. Es geht auch mit einem einzigen Fahrpedal, und es geht damit sogar sehr viel besser. Warum muß uns das ein Außenseiter (es ist der erste Personenwagen, den Daf baut) bescheren? Warum
wurde ein solches oder ähnliches System nicht seit zwanzig Jahren, also immerhin erst vom 55. Jahr des Automobils an, konsequent zu Ende gedacht, so daß es heute in allen kleinen Wagen eine Selbstverständlichkeit sein könnte?
Fragen Sie mich nicht, welche Lösung ich meine. Ich bin da, um mir Geschichten und keine Drehmomentwandler einfallen zu lassen. Aber ich bin sicher, daß das Dafsche Variomatic eine Menge Leute aufgeweckt hat; man wird sich etwas einfallen lassen müssen! Die ganz Alten, wie Benz, Ford, Diesel und Porsche, die traten sich fort-gesetzt selbst in den Hintern; heute muß der Tritt von draußen kommen.
Auch der Saxomat kam erst, als es längst die Ferlec-Kupplung gab, mit der die kleinen französischen 4 CV ausgerüstet waren.
Den Alten mußte alles selber einfallen: sie hatten noch keinen Vergaser, keine Zünd-spule, kein Differential, noch keine Achsschenkellenkung, kein Schaltgetriebe, keine Trommelbremse. Für all das brauchten sie nur ein paar Jährchen; sogar die Luftbereifung mußte aus dem Boden gestampft werden. Das Automobil entstand aus dem Nichts — und heute vervollkommnet es sich aus dem Vollen nur schleppend.
Aus Pioniergeist wurde Krämergeist. Nicht ohne Grund kommen Pioniertaten auch heute noch von unten, von da, wo einer klein anfangen muß. Auch die Großen sollten eine Pionierabteilung unterhalten, ein paar talentierte Fanatiker im letzten Seitenflügel, die sich das Auto von morgen zur Aufgabe stellen, ohne dabei auf das Auto von heute zu bauen, das sich höchstwahrscheinlich auf einem falschen Geleis tot-gelaufen hat. Ich glaube nicht, daß es sich für die Zukunft eignet.
Bleiben wir nun aber in der Gegenwart, so sehen wir uns vor die lächerliche Aufgabe gestellt, den Schmiernippel abzuschaffen. Weil wir ein fast wartungsfreies Auto brauchen! Wir brauchen es, weil bald keiner mehr da ist, der es warten könnte. Und wir drohen an dieser Aufgabe zu scheitern.
Was ich allein während meiner Schmiernippel-Recherchen erlebte, das könnte eine lustige Geschichte füllen. In einem Werk wurde der Hörer so lange hingelegt, wie sich ein Meister nach draußen begab, sich unter den Wegen legte, um die Schmiernippel zu zählen. Werksvertretungen gaben den Hörer von Mann zu Mann, ohne am Ende mit der gewünschten Auskunft dienen zu können.
Schmiernippel? Um Himmels willen, was soll das? Da will einer wissen, wie viele Schmiernippel ... Es ist eine Frage, die sonst weder gestellt noch diskutiert wird. Wer garantiert uns dann, daß der Lehrling, der unseren Wagen abschmiert, wirklich weiß, wo und wie oft er die Presse ansetzen muß? Keiner, nur wir selbst, die wir uns unter das Auto legen und jeden Nippel kontrollieren müßten.
Daß wir das Auto mit den wartungsfreien Lagern fordern, ist keine Marotte. Vielleicht halten die Autos wirklich ein bißchen länger, wenn sich die Lager selbst warten? Es ist anzunehmen, weil ein Lager weder zerstreut noch gewerkschaftlich organisiert ist. Inzwischen werden dann auch die Griechen, die Spanier und die Italiener das Zusammenbauen gelernt haben. So gut, daß es unangenehm auffallen wird, wenn die deutschen Kollegen pfuschen. Dann fällt vielleicht ein neues Auto nicht schon im Schaufenster auseinander.
Wenn wir dann nur noch alle zehntausend Kilometer in die Werkstatt müssen (so, wie ein guter Bundesbürger alljährlich einmal zur Röntgenuntersuchung geht), wenn wir nicht mehr zwischen diesen Zeiten irgendwelche Teile verlieren oder Wasser und öl, dann wollen wir beginnen, ganz leise vom wartungsfreien Automobil zu reden. Das wäre dann der Zeitpunkt, da ein Werkstattleiter seinem Chef mit Stolz berichtet: „Wir haben dreihundert Kunden, und in diesem Monat haben sich nur dreizehn davon sehen lassen — so gut ist das neue Modell!” Somit wären wir nun an dem Punkt, an dem sich der Hund in den Schwanz beißt: Das wirklich wartungsfreie Auto ist für die Automobilwirtschaft ebenso uninteressant wie für die Textilindustrie der laufmaschensichere Strumpf. Es wird nicht kommen! Denn ein Auto baut man nicht nur, damit der Kunde damit fahren, sondern auch, damit der „Kundendienst” davon leben kann. Das ist ein ökonomisches Grundgesetz erster Ordnung. Freuen wir uns getrost auf den Wegfall der Schmiernippel, aber seien wir gewiß, daß unsere Werkstattbesuche nicht wegfallen werden.
Wer die Dummköpfe gegen sich hat, verdient Vertrauen.
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