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LUENEBURG
Kategorie: Autoversicherung: Lueneburg:

Ich muß früher einmal ein
Vogel gewesen sein oder so etwas, das zu bestimmten Zeiten irgendwohin mußte. Kein Mensch kann vernünftige Sätze bilden, wenn es nach Frühling riecht, bedenken Sie das bitte. Zum erstenmal nach Frühling riecht es nur einmal im Jahr. Am nächsten Tag riecht es zum zweitenmal danach und ist nur noch halb so schön. Beim erstenmal gehe ich intensiv daran, keine Reise zu planen. Das gehört zu den schönsten Dingen, die ich kenne. Eine geplante Reise dagegen ist, wenn man alles schon vorher weiß. Das passiert mir nur bei Geschäftsreisen. Für meine Fernweh-Reise behalte ich mir vor, daß ich hinter jeder Kurve das große Abenteuer vermuten darf. .
Ich meine nicht den frontalen Zusammenstoß mit einem Militärlastwagen, der nicht versichert ist. Ich meine das Abenteuer schlechthin. Das kann ein alter Mann auf einem Esel sein, ein Ort, dessen Name ich nicht lesen kann, eine Schenke am Wege, die nach einem Wein riecht, den ich nicht kenne, oder ein Wegweiser, der einen fragt, „wie wär's?” Nach wie wär's geht's rechts ab.
Eine geplante Reise dagegen ist, wenn man genau weiß, wann man in Alassio an-kommt und wann man von Alassio wieder abfährt, weil man wann in Florenz sein will, wo man bis wann bleibt.
Leute, die ihre Reise sorgfältig geplant haben, erkennt man meistens daran, daß sie in Eile sind. Ihnen fehlt mittendrin ein Tag. Niemand weiß, wo er hin ist, aber er ist ihnen verlorengegangen.
Leute, die ihre Reise geplant haben, erkennt man auch daran, daß sie vor den Toren Roms einen Sack gelbfleischiger Kartoffeln aus dem Auto ziehen und dreiundzwanzig Gläser mit Eingemachtem. Das machen sie jedesmal, wenn sie hungrig sind, denn da sie ihre Reise geplant haben, wußten sie genau, daß man in Italien nur gebratene Schlangen, verwesten Fisch und in heißem Olivenöl ertrunkene Kellerschaben serviert bekommt. Sie haben alles eingemacht, was es in Italien nicht geben soll, und sie schlafen mit einer waffenscheinfreien Gaspistole unterm Genick. Wenn sie dann wieder zu Hause sind, klaut man ihnen auf der Reeperbahn die Brieftasche .. .
Ich hingegen gehe in die Schenke, die nach einem Wein riecht, den ich nicht kenne, und lasse ihn mir gut schmecken. Dann schnuppere ich ein bißchen in der Luft herum und ahne, daß man in dem dunklen Raum nebenan gerade alles mögliche in heißes 01 wirft. Ob das nun Schnecken, Hammelmägen, Tintenfische oder rasierte Kakteen sind, ist mir völlig gleichgültig. Ich bestelle mir eine Schüssel davon und ergötze mich daran. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß man alles essen kann, was es in den Schenken am Wege gibt.
Man schluckt mit diesen Speisen auch die Seele des Volkes hinunter, die Fremdartigkeit des Landes, und man verdaut seine Sitten besser. Nachdem ich ihren Wein getrunken und ihre passierten Eidechsen gegessen habe, verstehe ich die Leute so gut, als hätte ich schon im Mutterleibe ihre Sprache gesprochen. Zum Planen der Reise gehört aber auch das Schneidern, Einkaufen, Zurechtlegen (nach Liste!) und Einpacken von Garderobe aller Art. Deshalb sieht man in Palermo so viele Damen mit Pelzjacken und schwitzende Herren in Rollkragen-Pullovern.
Daß es in den deutschen Kaufhäusern noch keine weißen Tropenhelme für Gardasee-Reisende gibt, wundert mich schon des längeren. Auch das buntbedruckte Hemd ist sehr beliebt, die Kundenzeitschrift des Gemüsehandels empfahl es für den südlichen Nachmittagsbummel. Es ist mit Möhren, Sellerie, Stiefmütterchen, einem halben Gartenzaun und einer apportierenden Bulldogge bedruckt. Es gibt auch Hemden, die nur aus Schnaps-Etiketten bestehen. Man kann nach dem Urlaub einen Lampen-schirm daraus machen. Das ist eine geplante Reise.
Wenn ich mich ganz intensiv vorbereite, nehme ich eine Zahnbürste mit. Unterwegs kaufe ich mir dann noch etwas dazu. Einen leichten Sweater, weil es kühler ist, als ich dachte, ein durchlässiges Hemd für die Hitze, das so gut geschnitten, aber viel billiger ist, als ich es je zu Hause sah. Und einen ganz leichten Schuh zum Gasgeben. Leute, die ihre Reise geplant haben, kaufen sich unterwegs das gleiche. Aber sie kaufen es noch dazu. Sie haben ohnehin zu viel mit, und daß sie Sachen kaufen würden, wußten sie genau. Nun ist das Auto so voll, daß man sie nur in Garderobe herumlaufen sieht, die zerknittert ist. Man weiß dann genau, daß der Tag bald kommt, der ihnen fehlt.
Zum Planen der Reise gehört der Ölwechsel einen Tag zuvor. Meinen Bekannten schickten sie mit einem halben Liter Spülöl in der Wanne auf den Weg nach Athen... Nach dreihundert
Mann muss nicht das Gescheitere tun, sondern das Bessere.
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