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UELZEN
Kategorie: Autoversicherung: Uelzen:

Wir werden über den Nippel geschmiert .. .
Aan kann auch über den Löffel barbiert werden, das ging schon, als es noch gar keine Autos gab..
Vor Zeiten kaufte man ein Roß ohne zu wissen, wie viele Meilen es schon gelaufen war. Und mit der Garantie war es auch nicht weit her. Wenn das Vieh schon an der nächsten Ecke auf drei Hufen zu lahmen begann, war der Roßtäuscher längst über alle Berge.
Heute reitet man nicht mehr, man fährt. Und die Automobil-Niederlassungen können nicht flüchten, wenn die Käufer kommen, um zu reklamieren. Sie haben sich eingeigelt und machen in Verteidigung. Darin haben sie es im Verein mit den Werken zu hoher Kunstfertigkeit gebracht. Auch ganz neue Autos beginnen oft schon nach dem ersten Aufgalopp zu kränkeln. Vorn und hinten zeigen sich kleinere Gebrechen. Sie verlieren einen Zahn, klappern mit den Eingeweiden, der Lack kriegt die Bartflechte und das Chrom die Gelbsucht. Da und dort sitzt bereits das Zipperlein drin. Zwecklos, in solchen Fällen beschwerdeführend das eherne Wort von der deutschen Qualitätsarbeit zu strapazieren. Zwecklos, denn alles was runterfällt, klappert, rostet, abblättert und bricht, haben die Spanier gemacht, die Griechen und die Italiener!
Sie sind die beste Ausrede, die es je gab! Strömt herbei, ihr Völkerscharen, und nehmet uns die Mühsal von den Schultern. Was wäre unsere heutige, flüchtige Massenproduktion ohne Gastarbeiter? Man müßte davon absehen, brüchige Gummiprofile zu verarbeiten, Armstützen, die wie Zunder wegbrechen, Bleche, zum Klappern geboren und Schweißnähte, die auf tausend Kilometer einen Liter Wasser ins Wagen-innere pumpen .. .
Ich vermute, daß die Italiener, die Spanier und die Griechen schon auf dem Reißbrett berücksichtigt werden; wir leben in der Modell-Epoche „Gastarbeiter Süd/Südost”, es ist eine Lust, billig zu bauen.
Vor die Wahl, entweder nur soviel zu produzieren, wie man in bester Sorgfalt produzieren kann, oder alles, was der Markt verlangt, flüchtig zu produzieren — vor diese Wahl hat man sich gar nicht erst gestellt. Der Ausstoß muß stimmen, selbst wenn es Ausschuß wird.
Als wir 1933 unseren Opel aus Rüsselsheim holten, brach auf der Heimfahrt irgend-ein winziges Stück entzwei, ich glaube, es hing mit dem Tachoantrieb zusammen. Mein Vater machte kehrt, die Leute im Werk rangen die Hände, drohten, sich unserer Reklamation halber das Leben zu nehmen und waren so zerknirscht, daß mein kindliches Gemüt förmlich mit ihnen litt. Heute fällt bei manchem Auto schon im Schaufenster irgend etwas ab, ohne daß es außer dem Kunden jemanden schockiert. Man sagt aber nicht: „Die Arbeitsmoral der Deutschen ist gesunken!”, man gibt auch nicht zu: „Wir bauen heute dünner, schwächer, flüchtiger, billiger!”, man zeigt auf die Leute, die am Band stehen. „Wir bauen mit Analphabeten!” ist ein geflügeltes Wort. Ich verlange aber gar nicht, daß der Mann, der eine Leiste einsetzt, ein Gedicht ab-schreiben kann. Er soll lediglich begreifen, wie er seine Hände gebrauchen muß, damit die Leiste sitzt.
Das haben in CapCanaveral schon die Affen kapiert. Man sollte viel eher die Analphabeten aus der Kalkulationsabteilung entfernen, die dem neuen Modell nur eine Arm-stütze aus Bakelit bewilligen, die ein fünfjähriges Kind zerbrechen kann. Oder eine Zierleiste, deren drei magere Klammern sie zur ewigen Haltlosigkeit verdammen, selbst wenn sie von einem Edelgermanen eingesetzt würden.
Ich lasse mein Auto sehr gern in Italien reparieren, der Sorgfalt wegen. Und ich kenne eine Menge Leute, die sich unterder Hand den Tip geben: „Fahren Sie zu Schulzemüller in der Rabenstraße, da arbeiten zwei italienische Mechaniker!”
Mit seiner derzeitigen Arbeitsmoral und seinem Begriff von Qualität würde mancher deutsche Handwerker aus jeder Werkstatt in Turin, Parma oder Florenz rausgefeuert werden. Man muß dabei nicht nur an die Autos denken; auch die Art, wie heute Wohnungen gebaut, tropfende Wasserhähne repariert und Sakkos genäht werden, ist längst keine germanische mehr. Wenn die vierzig Stunden um sind, setzt sich der deutsche Arbeitnehmer in den Ohrensessel und nimmt die Broschüre zur Hand „Wie läßt sich Qualitätsarbeit durch höhere Lohnforderungen ersetzen?" Was der Produzent macht, nachdem er den Rechenstift angespitzt hat, will ich gar nicht. erst erwähnen. So dünne Bleche gibt's gar nicht .. .
Aber wir werden heute nicht nur über den Löffel barbiert, wir werden auch über den Nippel geschmiert.
Die bunten Schmuckstücke in den Autoschaufenstern muß man nur mal umdrehen, um zu sehen, wie sie eigentlich gefaßt sind. Man stößt auf die altertümlichsten Konstruktionsmethoden. Daß da, wo sich was in was bewegt, ein Nippel drauf gehört, durch den man Fett in die beanspruchte Gegend pressen kann, wußte man schon bei der Geburt der Dampfmaschine. Das ist lange her, und man sollte annehmen, daß den Leuten inzwischen etwas Besseres eingefallen wäre.
Wenn Sie im 75. Jahr des Automobils einen Mercedes-Fahrer (190 oder 220) nach der Anzahl der Schmiernippel fragen, auf denen er sitzt, dann erleben Sie zwei Oberraschungen. Erstens hat er keine Ahnung, wie viele es sind, und zweitens sind es tatsächlich eine Menge, nämlich achtundzwanzig Stück!
Der Taunus 17 M besitzt dagegen keinen einzigen. Aber in diesem Fall dürfte es dem Kunden egal sein, ob er alledreitausend Kilometer in die Werkstatt fahren muß, um achtundzwanzig Schmiernippel versorgen oder um ein gewisses Klappern ab-stellen zu lassen.

Wer schläft, sündigt nicht - wer vorher sündigt, schläft besser.
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