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WINSEN
Kategorie: Autoverwertung: Winsen:

Das klingt alles recht modern, aber die Casco-Pufferei setzte sich nicht durch, auch der Gesetzgeber hielt sich zurück. Die Produktion von Personenwagen hatte im Jahre 1928 den erfreulichen Stand von 101701 deutschen Einheiten erreicht. Nun aber begann die Weltwirtschaftskrise mit Schatten zu werfen. Vom nächsten Jahre an ging es rapide abwärts, um im Jahre 1932 bei 41727 Stück fast zu verröcheln. Viele Namen verlöschten endgültig.
Man rief das Volk auf, deutsche Wagen, deutschen Wein, deutschen Tabak zu kaufen, aber das Volk hatte nicht einmal das Geld dafür. Das hinderte den alten Henry aber nicht, in Deutschland ein Ford-Werk zu errichten. Darin baute er einen deutschen Ford, den „Köln”, der 1931 vom Band marschierte als deutscherWagen aus deutschen Teilen.
Weil wir gerade bei Ford sind — es gab 1927/28 einen Opel-Taunus. Es war ein 2,6 Liter Vierzylinder, der bei 2800 U/min 45 PS leistete. Ein Opel-Taunus, hätten Sie's gewußt?
1927 erschien ein autotechnisches Handbuch mit dem Untertitel „Chauffeur-Kursus”, aus dem ich folgende elementaren Lehrsätze zitieren möchte:
Die rechte Seite ist die in Fahrtrichtung rechts liegende.
Wenn man einen Wagen vermittels eines Motors dauernd fortbewegen will, so läßt sich das am praktischsten dadurch machen, daß man den Motor die Wagenräder drehen läßt wie bei der Lokomotive .. .
Besonders bei neuen Wagen prüfe man oft, ob die Hinterräder noch festsitzen, man muß aber davon abraten, die Hinterachse selbst auseinanderzunehmen, und an den inneren Teilen zu arbeiten .. .
Wenn der Wagen durch Schleudern in Gefahr kommt, so erheben sich die er-schreckten Insassen zumeist von den Sitzen, sie werden dann bei einem Zusammenstoß natürlich in die Scheiben oder aus dem Wagen herausgeworfen .. .
So erklärte man es sich, daß bei Zusammenstößen immer Leute auf der Straße herum-lagen, die vorher im Auto dringesessen hatten. Sie hätten halt sitzenbleiben sollen, anstatt sich angesichts der Gefahr von den Plätzen zu erheben. Im Grunde ist alles ganz einfach, man muß es aber wissen.
Ich saß am liebsten am Rande einer Chaussee im Gras, um auf das nächste Motorfahrzeug zu warten. Das konnte ein Lastwagen mit Vollgummi-Rädern sein und mit Kettenantrieb, wie ein Vomag, ein Büssing, ein Henschel. Die polterten lärmend vor-über. Oder es kam ein Motorrad angekläfft, ein kleines. Oder ein großes, dickes, das blubbernd puffte wie ein Lanz-Bulldog. Oder ein Seitenwagen-Gespann vom Schlage einer „D”, einer Indian, einer Zweizylinder-NSU, einer ebensolchen Wanderer. Die Seitenwagen glichen verkleinerten Fischkuttern, und sie stampften und schlingerten nicht minder. Ein junger Mann, der in einem Fahrradgeschäft tätig war, das auch Triumph-Motorräder führte, schenkte mir nach wochenlangem Bitten einen Triumph-Wimpel. So etwas war damals für einen Jungen, der einen Trittroller mit Holzrädern fuhr, so etwas wie eine Reliquie.

Lieber Kies in der Tasche als Sand im Getriebe.
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