Kategorie: Caravan:
Natürlich gab es auch damals schon viele Zahlen, mit Buchstaben kombiniert, viel zu viele. Aber um 1930 herum wurde bei uns der amerikanische „Essex Super Six” verkauft — das war ein Klang, ein Name wie Musik. Da kam nur noch der „Simson-Supra” mit.
Ich meine, der neue BMW hätte „Stuck” heißen können, und ich wundere mich, daß es bei Mercedes nie einen „Caracciola” gab, bei der Auto Union einen „Rosemeyer”, bei DKW einen „Rasmussen”.
Ja, wenn sie ein Schiff taufen, dann wissen sie eine Menge Namen. Daher kommt es wohl auch, daß die Bremer die „Isabella” erfanden, die „Arabella” und den „Alexander”. Und daß sie in Hamburg-Harburg den „Hanseat” bauen, den „Matador”, den „Boy” und den „Wiking”. Denen fällt immer etwas ein, die wissen, wie sehr es darauf ankommt, daß das Kind einen Namen kriegt und daß man ihm eine Flasche Sekt vor's Lätzchen knallt.
Man kann nicht verlangen, daß ein Auto „Tante Frieda” genannt wird, und wenn es zehnmal stimmen würde.
Ein kleines, billiges Familienauto wie etwa das Goggomobil könnte aber getrost „Würmeling” heißen. Und warum hieß eigentlich nie eines jener untermotorisierten Rollermobile „Seebohm 50” — mit gleichlautender Spitzengeschwindigkeit? Der Himmel hängt voller passender Namen, mit ein bißchen Phantasie kann man den einzig richtigen herunterholen. Um am Schluß nochmal ernst zu werden: Der VW 1500 hätte zum Beispiel „Wolfsburg” heißen können.
Aber die Dichter sterben aus — man erschlägt sie mit der Addiermaschine.
Klassenhab .. .
(ich weiß, daß ich diese Ausführungen mit einem ironischen „Ha-ha!” beginnen müßte, mit einem Lächeln über mich selbst, der ich so vermessen bin, an einem Naturgesetz zu rütteln.
Man kann die Menschen wohl nicht ändern, und das, worüber ich schreiben werde, hat es schon vor Tausenden von Jahren gegeben. Wenn ein Firmenchef sein Büro nicht auf einer einzigen Etage unterbringen kann, sondern es auf zwei Etagen verteilen muß, so darf er sicher sein, daß die eine Etage etwas gegen die andere hat. Seine Firma zerfällt automatisch in zwei Etagen. Das ist ein Naturgesetz.
Genauso, wie die Expedition gegen die Fakturei, die Buchhaltung gegen den Verkauf, der Verkauf gegen die Werbung sein wird. Und da gibt es Leute, die glauben an einen dauerhaften Frieden .. .
Wir zerfallen auch auf der Straße in viele Lager. Zunächst einmal blinken wir einander zu, wenn wir die gleiche Marke fahren Auch dann, wenn wegen der Häufigkeit einer Marke nicht mehr gewunken werden kann, winken wir im Unterbewußtsein ja doch.
Das ist harmlos, man ist versucht, es sogar nett zu finden. Aber es ist nicht harmloser als etwa die kleine Prise Gift in einer wohltuenden Tablette. Nehmen wir das ganze Röhrchen auf einmal, sind wir möglicherweise tot. Wenn drei Autos in eine Kollision verwickelt sind und zwei davon sind zufällig Markengefährten, während der dritte das Pech hat, aus Versehen ein anderes Fabrikat zu fahren — dann wehe ihm!
Die anderen beiden werden, ihrem innersten Triebe folgend, einander beistehen. Das ist milde ausgedrückt, denn sie werden sich sogar gegen den dritten verschwören. Der dritte ist ihr Feind.
Die Objektivität ist in dem Augenblick ins Rutschen geraten, in dem zu erkennen war, daß der eine von den dreien einer anderen Kaste angehört. Es muß nicht immer die gleiche Marke sein, die wildfremde Menschen in kritischen Situationen zusammenschweißt — es genügt schon die gleiche Hubraumklasse! Wenn zwei Sechshunderter mit einem Achthundertfünfziger in irgend etwas verwickelt sind, oder zwei Achthundertfünfziger mit einem Sechshunderter, dann haben wir die gleiche unselige Erscheinungsform von Kastengeist.
Ganz schlimm kann es werden, wenn es ein Zweitausendfünfhunderter mit zwei gleich-starken Kleineren zu tun kriegt. Er sollte sich rasch nach Zeugen einer neutralen Kaste umsehen, die ehrbare Kaste der Fußgänger eingerechnet.
Ich ging mal in einem Wohnblock ein und aus, in dem die Mieter mit Balkon zusammenhielten gegen die ohne Balkon. Wie: kann ein Architekt aber auch so was machen! Die Blockbildung war so konsequent, daß die Leute wahrscheinlich entsprechende Abzeichen getragen haben würden, wären solche im Handel gewesen. Die herzliche Freundschaft zwischen zwei Inspektorenfamilien geht in die Brüche, wenn aus der einen eine Oberinspektorenfamilie wird.
Campingplätze zerfallen trotz buntester Vermischung in die Kasten der Steilwandzeltler, der Hauszeltler, der Fahrer großer und der Fahrer kleinerer Wohnwagen und so fort. Innerhalb dieser Kasten zerfallen sie wieder in Markengefährten, bei den Zelten genügt oft die gleiche Farbkombination oder die gleiche Konstruktion des Klapptisches. Wie kann ich mich dann über
den Kastengeist der Autofahrer wundern? Wer sagt denn, daß ich das tue, ich schildere ihn doch nur.
Manche Autos haben sogar eine eigene Zeitschrift, und ihre Besitzer lesen nur diese. Das kommt dann ihrer Objektivität zugute.
Früher kamen geschickte Produzenten darauf, einen Arztwagen zu bauen. Ich wundere mich, daß es heute keinen Beamtenwagen gibt. Die Werke sind so kurzsichtig, den Kastengeist zu übersehen. Ein gezielter Appell an eine Kaste, der zahlreiche Personen angehören, hätte diesem und jenem Produzenten den Nackenschlag ersparen können. Was heißt schon „Alexander”, „Arabella”, „Isabella”? Warum nicht „Sekretär”, „Inspektor”, „Amtmann”? Einen Wagen der 1,7 Liter-Klasse würde ich „Fliesenleger” nennen — niemand kommt darauf, aber die Marktforscher machen sich immerwichtiger. Wir mokieren uns über den Kastengeist der Hindus, inzwischen vervollkommnen wir den unseren. Ein Gehäuse begegnet uns oder trifft neben uns ein — und schon sind wir versucht, innerlich Stellung zum Besitzer oder Inhalt des Gehäuses zu beziehen. Bevor wir mit diesem auch nur ein einziges Wort gewechselt haben.
Wäre es nicht besser, wir kämen alle splitternackt daher, barfüßig und barhäuptig und wären darauf angewiesen, durch unsere Rede darzutun,welcher Kaste wir angehören? Es ist dumm, was ich da sage, denn mit Sicherheit gäbe es dann die Kaste der Hühneraugenträger, der Kahlköpfigen, der Rothaarigen und so fort. Auch will ich den Nudisten nicht das Wort reden, zumal mir der Anblick eines wippenden Röckchens ein weit größeres Vergnügen bereitet.
Neulich machte mir ein Achthundertfünfziger auf der Autobahn keinen Platz. Es geschah am hellen Tage und die Sache hatte keinerlei Vorgeschichte. Schließlich nahm er gar den Mittelstreifen zwischen die Räder und rodelte so minutenlang vor mir her, der ich gerade einen Zweitausenddreihunderter fuhr, den „Oberregierungsrat”, wenn Sie's genau wissen wollen.
Es ergab sich, daß wir später an einer Tankstelle zusammentrafen, und ich fragte den Mann von der anderen Kaste nach dem Grunde seines merkwürdigen Verhaltens. Der warf mir einen haßerfüllten Blick zu und sagte nur: „Sie mit Ihrem Protzkasten!” Damit wandte er sich für immer von mir ab. Seine Begleiterin, die noch im Wagen saß, hat meiner Frau dann bei unserer Abfahrt rasch noch einen kleinen Vogel gezeigt. Niemand kann mir erzählen, daß der Westen gegen den Kommunismus gefeit sei. Eines Tages werden die versucht sein, auf die Barrikaden zu gehen, die es nicht über eine gewisse Kubikzahl hinaus gebracht haben.
Das dankbarste Thema ist eben doch der Mensch, auch dann, wenn man über Auto-mobile schreibt, die heutzutage der Ring sind, den sich der Mensch früher durch die Nase zog. Wir sind so weit, daß wir innerhalb einer Klasse nicht nur in einzelne Marken, sondern innerhalb derer auch noch in Baujahre zerfallen.
Der Verstand und die Fähigkeit, ihn zu gebrauchen, sind zwei verschiedene Gaben.
Verzeichis: Auto Autovermietung Autohaus Gebrauchtwagen Autoboerse Autoversicherung Werkstatt Autohandel Abschleppdienst Quad Neuwagen Caravan Autotuning Leasing Autoverwertung LKW Autoersatzteile Autoanzeigen Fahrschule Tachojustierung Ferienfahrschule Landtechnik Ersatzteile Busreisen Kranverleih
|
|
|
|
|
|
|
Natürlich gab es auch damals schon viele Zahlen, mit Buchstaben kombiniert, viel zu viele. Aber um 1930 herum wurde bei uns der amerikanische „Essex Super Six” verkauft — das war ein Klang, ein Name wie Musik. Da kam nur noch der „Simson-Supra” mit.
Ich meine, der neue BMW hätte „Stuck” heißen können, und ich wundere mich, daß es bei Mercedes nie einen „Caracciola” gab, bei der Auto Union einen „Rosemeyer”, bei DKW einen „Rasmussen”.
Ja, wenn sie ein Schiff taufen, dann wissen sie eine Menge Namen. Daher kommt es wohl auch, daß die Bremer die „Isabella” erfanden, die „Arabella” und den „Alexander”. Und daß sie in Hamburg-Harburg den „Hanseat” bauen, den „Matador”, den „Boy” und den „Wiking”. Denen fällt immer etwas ein, die wissen, wie sehr es darauf ankommt, daß das Kind einen Namen kriegt und daß man ihm eine Flasche Sekt vor's Lätzchen knallt.
Man kann nicht verlangen, daß ein Auto „Tante Frieda” genannt wird, und wenn es zehnmal stimmen würde.
Ein kleines, billiges Familienauto wie etwa das Goggomobil könnte aber getrost „Würmeling” heißen. Und warum hieß eigentlich nie eines jener untermotorisierten Rollermobile „Seebohm 50” — mit gleichlautender Spitzengeschwindigkeit? Der Himmel hängt voller passender Namen, mit ein bißchen Phantasie kann man den einzig richtigen herunterholen. Um am Schluß nochmal ernst zu werden: Der VW 1500 hätte zum Beispiel „Wolfsburg” heißen können.
Aber die Dichter sterben aus — man erschlägt sie mit der Addiermaschine.
Klassenhab .. .
(ich weiß, daß ich diese Ausführungen mit einem ironischen „Ha-ha!” beginnen müßte, mit einem Lächeln über mich selbst, der ich so vermessen bin, an einem Naturgesetz zu rütteln.
Man kann die Menschen wohl nicht ändern, und das, worüber ich schreiben werde, hat es schon vor Tausenden von Jahren gegeben. Wenn ein Firmenchef sein Büro nicht auf einer einzigen Etage unterbringen kann, sondern es auf zwei Etagen verteilen muß, so darf er sicher sein, daß die eine Etage etwas gegen die andere hat. Seine Firma zerfällt automatisch in zwei Etagen. Das ist ein Naturgesetz.
Genauso, wie die Expedition gegen die Fakturei, die Buchhaltung gegen den Verkauf, der Verkauf gegen die Werbung sein wird. Und da gibt es Leute, die glauben an einen dauerhaften Frieden .. .
Wir zerfallen auch auf der Straße in viele Lager. Zunächst einmal blinken wir einander zu, wenn wir die gleiche Marke fahren Auch dann, wenn wegen der Häufigkeit einer Marke nicht mehr gewunken werden kann, winken wir im Unterbewußtsein ja doch.
Das ist harmlos, man ist versucht, es sogar nett zu finden. Aber es ist nicht harmloser als etwa die kleine Prise Gift in einer wohltuenden Tablette. Nehmen wir das ganze Röhrchen auf einmal, sind wir möglicherweise tot. Wenn drei Autos in eine Kollision verwickelt sind und zwei davon sind zufällig Markengefährten, während der dritte das Pech hat, aus Versehen ein anderes Fabrikat zu fahren — dann wehe ihm!
Die anderen beiden werden, ihrem innersten Triebe folgend, einander beistehen. Das ist milde ausgedrückt, denn sie werden sich sogar gegen den dritten verschwören. Der dritte ist ihr Feind.
Die Objektivität ist in dem Augenblick ins Rutschen geraten, in dem zu erkennen war, daß der eine von den dreien einer anderen Kaste angehört. Es muß nicht immer die gleiche Marke sein, die wildfremde Menschen in kritischen Situationen zusammenschweißt — es genügt schon die gleiche Hubraumklasse! Wenn zwei Sechshunderter mit einem Achthundertfünfziger in irgend etwas verwickelt sind, oder zwei Achthundertfünfziger mit einem Sechshunderter, dann haben wir die gleiche unselige Erscheinungsform von Kastengeist.
Ganz schlimm kann es werden, wenn es ein Zweitausendfünfhunderter mit zwei gleich-starken Kleineren zu tun kriegt. Er sollte sich rasch nach Zeugen einer neutralen Kaste umsehen, die ehrbare Kaste der Fußgänger eingerechnet.
Ich ging mal in einem Wohnblock ein und aus, in dem die Mieter mit Balkon zusammenhielten gegen die ohne Balkon. Wie: kann ein Architekt aber auch so was machen! Die Blockbildung war so konsequent, daß die Leute wahrscheinlich entsprechende Abzeichen getragen haben würden, wären solche im Handel gewesen. Die herzliche Freundschaft zwischen zwei Inspektorenfamilien geht in die Brüche, wenn aus der einen eine Oberinspektorenfamilie wird.
Campingplätze zerfallen trotz buntester Vermischung in die Kasten der Steilwandzeltler, der Hauszeltler, der Fahrer großer und der Fahrer kleinerer Wohnwagen und so fort. Innerhalb dieser Kasten zerfallen sie wieder in Markengefährten, bei den Zelten genügt oft die gleiche Farbkombination oder die gleiche Konstruktion des Klapptisches. Wie kann ich mich dann über
den Kastengeist der Autofahrer wundern? Wer sagt denn, daß ich das tue, ich schildere ihn doch nur.
Manche Autos haben sogar eine eigene Zeitschrift, und ihre Besitzer lesen nur diese. Das kommt dann ihrer Objektivität zugute.
Früher kamen geschickte Produzenten darauf, einen Arztwagen zu bauen. Ich wundere mich, daß es heute keinen Beamtenwagen gibt. Die Werke sind so kurzsichtig, den Kastengeist zu übersehen. Ein gezielter Appell an eine Kaste, der zahlreiche Personen angehören, hätte diesem und jenem Produzenten den Nackenschlag ersparen können. Was heißt schon „Alexander”, „Arabella”, „Isabella”? Warum nicht „Sekretär”, „Inspektor”, „Amtmann”? Einen Wagen der 1,7 Liter-Klasse würde ich „Fliesenleger” nennen — niemand kommt darauf, aber die Marktforscher machen sich immerwichtiger. Wir mokieren uns über den Kastengeist der Hindus, inzwischen vervollkommnen wir den unseren. Ein Gehäuse begegnet uns oder trifft neben uns ein — und schon sind wir versucht, innerlich Stellung zum Besitzer oder Inhalt des Gehäuses zu beziehen. Bevor wir mit diesem auch nur ein einziges Wort gewechselt haben.
Wäre es nicht besser, wir kämen alle splitternackt daher, barfüßig und barhäuptig und wären darauf angewiesen, durch unsere Rede darzutun,welcher Kaste wir angehören? Es ist dumm, was ich da sage, denn mit Sicherheit gäbe es dann die Kaste der Hühneraugenträger, der Kahlköpfigen, der Rothaarigen und so fort. Auch will ich den Nudisten nicht das Wort reden, zumal mir der Anblick eines wippenden Röckchens ein weit größeres Vergnügen bereitet.
Neulich machte mir ein Achthundertfünfziger auf der Autobahn keinen Platz. Es geschah am hellen Tage und die Sache hatte keinerlei Vorgeschichte. Schließlich nahm er gar den Mittelstreifen zwischen die Räder und rodelte so minutenlang vor mir her, der ich gerade einen Zweitausenddreihunderter fuhr, den „Oberregierungsrat”, wenn Sie's genau wissen wollen.
Es ergab sich, daß wir später an einer Tankstelle zusammentrafen, und ich fragte den Mann von der anderen Kaste nach dem Grunde seines merkwürdigen Verhaltens. Der warf mir einen haßerfüllten Blick zu und sagte nur: „Sie mit Ihrem Protzkasten!” Damit wandte er sich für immer von mir ab. Seine Begleiterin, die noch im Wagen saß, hat meiner Frau dann bei unserer Abfahrt rasch noch einen kleinen Vogel gezeigt. Niemand kann mir erzählen, daß der Westen gegen den Kommunismus gefeit sei. Eines Tages werden die versucht sein, auf die Barrikaden zu gehen, die es nicht über eine gewisse Kubikzahl hinaus gebracht haben.
Das dankbarste Thema ist eben doch der Mensch, auch dann, wenn man über Auto-mobile schreibt, die heutzutage der Ring sind, den sich der Mensch früher durch die Nase zog. Wir sind so weit, daß wir innerhalb einer Klasse nicht nur in einzelne Marken, sondern innerhalb derer auch noch in Baujahre zerfallen.
Der Verstand und die Fähigkeit, ihn zu gebrauchen, sind zwei verschiedene Gaben.
Verzeichis: Auto Autovermietung Autohaus Gebrauchtwagen Autoboerse Autoversicherung Werkstatt Autohandel Abschleppdienst Quad Neuwagen Caravan Autotuning Leasing Autoverwertung LKW Autoersatzteile Autoanzeigen Fahrschule Tachojustierung Ferienfahrschule Landtechnik Ersatzteile Busreisen Kranverleih

