Kategorie: Caravan: Winsen:
hintendrin im Kofferraum. Es dauerte ein Weilchen. Drum konnte der „Wachtmeister” erst einmal in aller Ruhe, mit der grünen Zulassung in der Hand, um mein Auto herum-gehen. Er tat dabei so, als ob ich es gestohlen hätte. Und er kam dabei straßenseits mit dem Ellbogen an meinen Außenspiegel. Es ist genau so, was mich schon einmal bewogen hat, einen Tankwart zu ermorden. Aber meine Frau konnte es mit dem Hin-weis auf das eintönige Leben in frauenlosen Männergefängnissen verhindern.
„Jetzt haben Sie mir den Außenspiegel verstellt ...” knurrte ich, aber er hob nur eine Augenbraue. Dann reichte ich ihm den Führerschein. Man kann zwar noch erkennen, daß es ein solcher ist, aber das Papier taugte damals nicht allzuviel, und der Zahn der Zeit hatte leichtes Spiel mit ihm. Der Beamte erfaßte das Dokument mit spitzen Fingern und blickte mich an, als sei er mit der Leitung eines Hinrichtungskommandos beauftragt.
.,Na also ..." sagte er. Es klang so, als hätte er genau gewußt, daß mein Führerschein so aussehen würde. Ich hatte verspielt.
„Und warum haben Sie noch keine zusätzliche Diebstahlsicherung im Wagen?” fragte er mich, er, von dem ich lediglich hatte erfahren wollen, wo in dieser Stadt sie den Johannisbeerplatz hingelegt hatten.
,.Ich bin dagegen", sagte ich wahrheitsgemäß, „es ist ein purer Blödsinn. Und außer-dem muß man vor den Werkstätten schlangestehen, aber dazu hatte ich noch keine Zeit ...” Er nickte nur, aber in einer Art und Weise, als hätte er den Mörder des Polizeipräsidenten gestellt. Ich begann, ein schlechtes Gewissen zu kriegen, und war bereit, irgend etwas zu gestehen, ich wußte nur noch nicht, was. „Und Sie haben auch keine bestellt ...” sagte er. Es war keine Frage, es war eine Feststellung, und weil es eine zutreffende war, sagte ich schlicht: „So ist es, Herr Oberwachtmeister.” Er blickte kurz hoch in mein Auge, ich zuckte mit keiner Wimper, da drehte er den Führerschein noch einmal um und um. Ich lehnte mich gegen mein Auto und trommelte mit den Fingern auf dem Dach herum. Es war mein Wagen, und er war in Ordnung, ich kroch oft genug selber in und unter ihm herum. Sonst hätte ich das nicht mit Sicherheit behaupten können, denn die Werkstätten sind intensiv mit dem Einbau von zusätzlichen Diebstahlsicherungen beschäftigt. Ich dachte daran, daß ich in drei Minuten an einem Platz sein wollte, von dem ich nicht einmal zu sagen vermochte, wo er sich befand. Darum raffte ich mich auf und fragte: „Was nun? Kommen wir zur Sache. Was kostet's?”Das war wohl nicht der richtige Ton, ich gebe es zu. Man zeigt in solchen Fällen besser einen Anflug von Zerknirschung und eine gemäßigte, stramme Haltung. Meine Lage schien sich zuzuspitzen. Der „Wachtmeister”, der sicher viel mehr als das war, verriet durch Haltung und Mienenspiel, daß er jeden Augenblick „Legt an — gebt Feuer!” befehlen würde. Ich genehmigte mir eine letzte Zigarette. Ich weiß nicht, warum Polizisten immer so gucken müssen, daß einem das Mark in den Knochen gefriert. Es muß mit der Uniform zusammenhängen, die meisten Leute in Uniform, derer ich mich erinnere, guckten nicht anders. Da trat eine junge Frau dicht an uns heran, sie trug in jeder Hand ein prall gefülltes Einholnetz, und ich hätte sie beinahe nach dem Johannisbeerplatz gefragt. Es war so etwas wie mein letzter Wunsch, wenigstens noch zu erfahren, wo er liegt. Da sagte die Frau: „Komm schon, August, wir wollen doch noch zu Karstadt!”, und sie drückte dem „Wachtmeister” eines der beiden Einholnetze in die Hand. Mit der anderen gab er mir die Papiere zurück. Der Gouverneur des Landes hatte mein Gnadengesuch in letzter Minute genehmigt.
Der Klügere gibt so lange nach, bis er der Dümmere ist.
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hintendrin im Kofferraum. Es dauerte ein Weilchen. Drum konnte der „Wachtmeister” erst einmal in aller Ruhe, mit der grünen Zulassung in der Hand, um mein Auto herum-gehen. Er tat dabei so, als ob ich es gestohlen hätte. Und er kam dabei straßenseits mit dem Ellbogen an meinen Außenspiegel. Es ist genau so, was mich schon einmal bewogen hat, einen Tankwart zu ermorden. Aber meine Frau konnte es mit dem Hin-weis auf das eintönige Leben in frauenlosen Männergefängnissen verhindern.
„Jetzt haben Sie mir den Außenspiegel verstellt ...” knurrte ich, aber er hob nur eine Augenbraue. Dann reichte ich ihm den Führerschein. Man kann zwar noch erkennen, daß es ein solcher ist, aber das Papier taugte damals nicht allzuviel, und der Zahn der Zeit hatte leichtes Spiel mit ihm. Der Beamte erfaßte das Dokument mit spitzen Fingern und blickte mich an, als sei er mit der Leitung eines Hinrichtungskommandos beauftragt.
.,Na also ..." sagte er. Es klang so, als hätte er genau gewußt, daß mein Führerschein so aussehen würde. Ich hatte verspielt.
„Und warum haben Sie noch keine zusätzliche Diebstahlsicherung im Wagen?” fragte er mich, er, von dem ich lediglich hatte erfahren wollen, wo in dieser Stadt sie den Johannisbeerplatz hingelegt hatten.
,.Ich bin dagegen", sagte ich wahrheitsgemäß, „es ist ein purer Blödsinn. Und außer-dem muß man vor den Werkstätten schlangestehen, aber dazu hatte ich noch keine Zeit ...” Er nickte nur, aber in einer Art und Weise, als hätte er den Mörder des Polizeipräsidenten gestellt. Ich begann, ein schlechtes Gewissen zu kriegen, und war bereit, irgend etwas zu gestehen, ich wußte nur noch nicht, was. „Und Sie haben auch keine bestellt ...” sagte er. Es war keine Frage, es war eine Feststellung, und weil es eine zutreffende war, sagte ich schlicht: „So ist es, Herr Oberwachtmeister.” Er blickte kurz hoch in mein Auge, ich zuckte mit keiner Wimper, da drehte er den Führerschein noch einmal um und um. Ich lehnte mich gegen mein Auto und trommelte mit den Fingern auf dem Dach herum. Es war mein Wagen, und er war in Ordnung, ich kroch oft genug selber in und unter ihm herum. Sonst hätte ich das nicht mit Sicherheit behaupten können, denn die Werkstätten sind intensiv mit dem Einbau von zusätzlichen Diebstahlsicherungen beschäftigt. Ich dachte daran, daß ich in drei Minuten an einem Platz sein wollte, von dem ich nicht einmal zu sagen vermochte, wo er sich befand. Darum raffte ich mich auf und fragte: „Was nun? Kommen wir zur Sache. Was kostet's?”Das war wohl nicht der richtige Ton, ich gebe es zu. Man zeigt in solchen Fällen besser einen Anflug von Zerknirschung und eine gemäßigte, stramme Haltung. Meine Lage schien sich zuzuspitzen. Der „Wachtmeister”, der sicher viel mehr als das war, verriet durch Haltung und Mienenspiel, daß er jeden Augenblick „Legt an — gebt Feuer!” befehlen würde. Ich genehmigte mir eine letzte Zigarette. Ich weiß nicht, warum Polizisten immer so gucken müssen, daß einem das Mark in den Knochen gefriert. Es muß mit der Uniform zusammenhängen, die meisten Leute in Uniform, derer ich mich erinnere, guckten nicht anders. Da trat eine junge Frau dicht an uns heran, sie trug in jeder Hand ein prall gefülltes Einholnetz, und ich hätte sie beinahe nach dem Johannisbeerplatz gefragt. Es war so etwas wie mein letzter Wunsch, wenigstens noch zu erfahren, wo er liegt. Da sagte die Frau: „Komm schon, August, wir wollen doch noch zu Karstadt!”, und sie drückte dem „Wachtmeister” eines der beiden Einholnetze in die Hand. Mit der anderen gab er mir die Papiere zurück. Der Gouverneur des Landes hatte mein Gnadengesuch in letzter Minute genehmigt.
Der Klügere gibt so lange nach, bis er der Dümmere ist.
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