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SOLTAU
Kategorie: LKW: Soltau:

Früher pflegte ich die mir häufig gestellte Frage, ob man denn nichts für die Damen tun könne, um ihnen das Raus- und Reinklettern beim modernen Automobil zu er-leichtern, nur ungenau mit „Gewiß, man kann weggucken . . .” zu beantworten. Heute habe ich die Stirn, mich hinzusetzen und über dieses Thema zu schreiben, als wäre ich mit einer Moderedakteurin zumindest befreundet. Aber mich sticht nur der Hafer. Und es ärgert mich, daß „man” niemals Dinge tut, die „man” nicht tut. Daß man aber fortgesetzt unsere schönen Automobile verballhornt. Sehen Sie, man weiß sich heute fast zu jeder Gelegenheit passend zu benehmen. Es gibt ungeschriebene Gesetze darüber, wie man Kartoffelknödel zu sich nimmt, nicht in Fernsehkameras winkt, auf denen ein rotes Lämpchen glüht, wie man seinen Espresso stehend freihändig schlürft, ohne für einen Mann aus der Provinz gehalten zu werden, wie man de Gaulle zujubelt und wie man eine Twistparty gestaltet. Auch haben sich gewisse Regeln für das Betreten von Schlauchbooten und Doppelschraubenjachten und für den Besuch von Erfolgsmusicals herausgebildet. Auch wird niemand, in einer buntgestreiften Gartenschaukel sitzend, aus einem anderen Gefäß trinken als dem, das die Form eines abgesägten Ofenrohrs hat. Aber wie man sich kleidet und aufführt, wenn man autofährt, das scheint noch weithin unbekannt zu sein, obwohl es mehr Autos als Gartenschaukeln und Espressos und Schlauchboote und ausländische Staatsoberhäupter gibt.
Bisher ist noch jedes Mädchen, dem ich riet, in langen Hosen zu mir in einen verrückten Testwagen zu steigen, in einem kurzen Röckchen erschienen. Ich gebe zu, daß ich mich jeweils nur schwach dagegen sträubte. Aber wenn das Mädchen dann unterwegs mal ausstieg, dann haben die Männer auf den wackeligen Caföhausstühlen ihre Frauen rasch auf einen Nerz aufmerksam gemacht, der nach rechts aus dem Bild lief, während das Mädchen mit dem immer kürzer werdenden Röckchen von links aus meinem Auto heraus ins Bild hineinstieg.
Nun, es gibt Kavaliere unter den Blechschneidern, die auch daran gedacht haben. Sie entwickelten zu ihrem pfannkuchenflachen CoupL auch noch den schwenkbaren Sitz. Er dreht sich beim Offnen der Tür mitsamt der Dame um den vierten Teil eines Zifferblattes und stellt ihre Beine nahezu „jugendfrei” auf die Straße. Ich habe die Damen auf den Automobilsalons heimlich beobachtet und herausgefunden, daß sie auf die-sen Sessel gar nicht versessen waren. Sie probierten ihn, riefen „huch!” und fanden ihn albern. Offenbar geht es ihnen darum, auch weiterhin die kultische Handlung des gekonnten Aussteigens pflegen zu können. Die Meisterinnen dieser Kunst traf ich übrigens in Rom auf der Via Veneto. Oh, wie sie stiegen! Sie zeigten dabei dieses, verbargen jenes, perlten oder gurrten wie eine Taube anstatt „Kruzitürken!” auszurufen und rauschten schließlich so rasant von hinnen, als wäre das Auto nicht mehr als ein Startloch für sie gewesen. Wie sie das machen, das ist unnachahmlich — ein Mann würde sich beide Beine dabei brechen! Erst wenn sie in der nächsten Bar verschwunden sind, erinnern sich die männlichen Zuschauer am Rinnstein wieder der Notwendigkeit des Atemholens, sie ringen förmlich nach Luft, und nur ganz Abgebrühten gelingt der schrille Pfiff im entscheidenden Augenblick. Das ist C)bungssache und braucht seine Zeit. Dem gewöhnlichen Touristen und Rompilger glückt oft nur ein Röcheln.
Das Auto, aus dem man die Stufen herabschritt wie weiland Königin Luise von der Freitreppe mit einem Windhund zur Linken, einem vierbeinigen, dieses Auto gibt es nicht mehr. Es begann Anfang der dreißiger Jahre zu schrumpfen und vermochte sich nicht mehr zu erholen. Das eherne Trittbrett, von dem aus man dem Volke zuwinken konnte, bevor man sich zu ihm hinunterbegab, fiel den Zeichenstiften der Formgestalter und den Rotstiften der Erbauer der selbsttragenden Karosserie zum Opfer. Außerdem hatte es sich fortgesetzt im soeben aufgekommenen Windkanal strömungstechnisch danebenbenommen. Die Autobauer ließen sich an seiner Stelle Türen einreden, aus denen man schnurstracks in die Gosse fiel. Sie waren hinten angeschraubt und spreizten sich somit nach vorn. Den Beinen der aus ihnen tretenden Damen blieb gar nichts anderes mehr übrig, als es ihnen gleichzutun. Die italienischen Konstrukteure griffen diese Entwicklung freudig auf und beflügelten dadurch das Interesse italienischer Männer am Automobil gewaltig. Noch heute starren sie technisch höchst interessiert auf jedes anhaltende Auto.

Mann muss nicht das Gescheitere tun, sondern das Bessere.
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