Kategorie: Leasing: Fallingbostel:
Deutschland rund 10000 Stück, Frankreich rund 31 000 Stück, die USA rund 39000 Stück, England rund 40500 Stück. Und während wir es im Jahre 1910 auf rund 24500 Automobile gebracht hatten, gab es in England bereits rund 85000 motorgetriebene Wagen.
In der Schule erfährt man so etwas ja nie, und als ich zur Schule ging, waren wir Deutschen immer die Ersten, Größten, Edelsten und Tüchtigsten der Welt. Auch die Geschichte des Automobils schrieben wir uns allein auf den Leib, ich meine aber, daß es nicht genügt, ein Ding zu erfinden, sondern daß auch dazugehört, daß eine auf-geschlossene Nation dem Ding zum Durchbruch verhilft. Was dies betrifft, so haben wir uns jedenfalls mehr als hinterwäldlerisch angestellt. Und unsere heutigen Oberhäupter stammen ganz offensichtlich in direkter Linie davon ab. Wenn es nach ihnen ginge, würden wir uns wohl heute noch in Kutschen, Eisenbahn-Waggons und auf Velocipeds bewegen.
Die Hauptsorge der damaligen Fahrer im automobilistisch unterentwickelten Reichs-gebiet waren die Gendarmen und die Landbevölkerung, die es mit dem Autler oft bis kurz vor die Lynchjustiz trieb. Des Motorwagenfabrikanten Carl Heinles zwei Auto-mobile wurden durch das Königliche Bezirksamt Garmisch konfisziert, als Heinle mit mehreren Personen damit auf einem Ausfluge begriffen war. Die Beschlagnahme erfolgte auf Grund einer bezirksamtlichen Verfügung, nach welcher das Fahren mit Automobilen im Bezirksamt Garmisch verboten war. Diese Verordnung war im Amts-blatte veröffentlicht gewesen, das der aus Oberhausen bei Augsburg stammende Heinle allerdings nicht zu lesen pflegte. Schütteln wir aber nur verhalten das Haupt, um es um so heftiger über unsere derzeitigen behördlichen Ein- und Obergriffe schütteln zu können. Wem Gott ein Amt gibt, dem nimmt er offenbar auch den Verstand.
Seit dem Jahre 1906 gibt es übrigens die „Hubraumsteuer”, sie ist seitdem durch nichts Lebensnäheres ersetzt worden, obwohl es an gescheiteren Vorschlägen zu keiner Zeit gefehlt hat. Blicken wir aber wieder auf das Jahr 1900 zurück. Da wurde der Bäckermeister Fritz Löhmann aus Linden wegen fahrlässiger Tödtung verurteilt, weil er seinem Sprößling den Schlüssel zum Pferdestall ausgehändigt hatte. „Der schwächliche neunjährige Schulknabe überfuhr mit Pferd und Wagen den Invaliden Stoppel, der daraufhin verstarb.”
Sehen Sie, schon damals war man seines Lebens nicht sicher. Das wird auch Humbert der Erste gedacht haben, als er am 29. Juli in Monza ermordert wurde. Dortselbst war er als Umberto, König von Italien, recht gut bekannt. Soviel über Monza. Ein neues Jahrhundert war angebrochen. Der kanadische Journalist Prince reiste in der Rekordzeit von 64 Tagen um die Erde, und die zwei deutschen Luftschiffer A. Berson und Dr. Süring erklommen in einem Ballon die bisher unerreichte Höhe von 10300 Meter. Das tatsächliche Maximum ihres Höhenfluges war jedoch nicht einmal feststellbar, da die Luftschiffer in der genannten Höhe ohnmächtig wurden. Die zuletzt gemessene Temperatur belief sich auf 40 Grad Celsius unter Null, und „es ist anzunehmen, daß diese Ballonfahrt die Grenze erreicht hat, die überhaupt dem Menschen zugänglich ist”.
Ehrlich währt am längsten. Aber wer hat schon so viel Zeit.
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Deutschland rund 10000 Stück, Frankreich rund 31 000 Stück, die USA rund 39000 Stück, England rund 40500 Stück. Und während wir es im Jahre 1910 auf rund 24500 Automobile gebracht hatten, gab es in England bereits rund 85000 motorgetriebene Wagen.
In der Schule erfährt man so etwas ja nie, und als ich zur Schule ging, waren wir Deutschen immer die Ersten, Größten, Edelsten und Tüchtigsten der Welt. Auch die Geschichte des Automobils schrieben wir uns allein auf den Leib, ich meine aber, daß es nicht genügt, ein Ding zu erfinden, sondern daß auch dazugehört, daß eine auf-geschlossene Nation dem Ding zum Durchbruch verhilft. Was dies betrifft, so haben wir uns jedenfalls mehr als hinterwäldlerisch angestellt. Und unsere heutigen Oberhäupter stammen ganz offensichtlich in direkter Linie davon ab. Wenn es nach ihnen ginge, würden wir uns wohl heute noch in Kutschen, Eisenbahn-Waggons und auf Velocipeds bewegen.
Die Hauptsorge der damaligen Fahrer im automobilistisch unterentwickelten Reichs-gebiet waren die Gendarmen und die Landbevölkerung, die es mit dem Autler oft bis kurz vor die Lynchjustiz trieb. Des Motorwagenfabrikanten Carl Heinles zwei Auto-mobile wurden durch das Königliche Bezirksamt Garmisch konfisziert, als Heinle mit mehreren Personen damit auf einem Ausfluge begriffen war. Die Beschlagnahme erfolgte auf Grund einer bezirksamtlichen Verfügung, nach welcher das Fahren mit Automobilen im Bezirksamt Garmisch verboten war. Diese Verordnung war im Amts-blatte veröffentlicht gewesen, das der aus Oberhausen bei Augsburg stammende Heinle allerdings nicht zu lesen pflegte. Schütteln wir aber nur verhalten das Haupt, um es um so heftiger über unsere derzeitigen behördlichen Ein- und Obergriffe schütteln zu können. Wem Gott ein Amt gibt, dem nimmt er offenbar auch den Verstand.
Seit dem Jahre 1906 gibt es übrigens die „Hubraumsteuer”, sie ist seitdem durch nichts Lebensnäheres ersetzt worden, obwohl es an gescheiteren Vorschlägen zu keiner Zeit gefehlt hat. Blicken wir aber wieder auf das Jahr 1900 zurück. Da wurde der Bäckermeister Fritz Löhmann aus Linden wegen fahrlässiger Tödtung verurteilt, weil er seinem Sprößling den Schlüssel zum Pferdestall ausgehändigt hatte. „Der schwächliche neunjährige Schulknabe überfuhr mit Pferd und Wagen den Invaliden Stoppel, der daraufhin verstarb.”
Sehen Sie, schon damals war man seines Lebens nicht sicher. Das wird auch Humbert der Erste gedacht haben, als er am 29. Juli in Monza ermordert wurde. Dortselbst war er als Umberto, König von Italien, recht gut bekannt. Soviel über Monza. Ein neues Jahrhundert war angebrochen. Der kanadische Journalist Prince reiste in der Rekordzeit von 64 Tagen um die Erde, und die zwei deutschen Luftschiffer A. Berson und Dr. Süring erklommen in einem Ballon die bisher unerreichte Höhe von 10300 Meter. Das tatsächliche Maximum ihres Höhenfluges war jedoch nicht einmal feststellbar, da die Luftschiffer in der genannten Höhe ohnmächtig wurden. Die zuletzt gemessene Temperatur belief sich auf 40 Grad Celsius unter Null, und „es ist anzunehmen, daß diese Ballonfahrt die Grenze erreicht hat, die überhaupt dem Menschen zugänglich ist”.
Ehrlich währt am längsten. Aber wer hat schon so viel Zeit.
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