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WALSRODE
Kategorie: Leasing: Walsrode:

Auch der Schwindel mit den Kraftstofftabletten blühte bereits. Man sagte ihnen nach, daß sie eine Kraftstoffersparnis von 30leichteres Anspringen und Nichtklopfen bewirkten. Einer amtlichen Untersuchung zufolge bestanden sie jedoch lediglich aus Naphthalin mit einem Zusatz von 1,50/0 salpetersaurem Ammoniak und waren vollkommen wirkungslos.
Ein Schwindlerpaar verdiente ein Vermögen mit diesem Trick: Das Gaunerweibchen fuhr mit dem Wagen an einer Tankstelle vor und sagte zum Tankwart, wenn dieser den Benzinschlauch ansetzen wollte, lächelnd: „Aber nicht doch!” Danach verlangte sie klares Wasser, ließ sich davon zwei Gießkannen in den Tank füllen und warf aus einem bunt bedruckten Schächtelchen ein halbes Dutzend Tabletten hinterher, kurbelte den Wagen an und fuhr davon.
Mitten in das lange Gesicht des Tankwarts hinein kam eine Stunde später das Gaunermännchen, mit Visitenkarte und Prospektmaterial ausgerüstet übergab es dem Tankwart den Alleinvertrieb der Benzintabletten für die ganze Gegend, verkaufte gleich einen Karton davon gegen Kasse und verschwand auf Nimmerwiedersehen. Der Wagen des Weibchens hatte zwei Tanks Aus dem einen ließ es gleich hinter dem Dorf das Wasser wieder ab, um Platz für die nächste Tankfüllung zu haben. So einfach war das damals noch.
In diesem Jahr wurde auch die Kraftfahrzeugsteuer neu festgesetzt. Bis dahin galten die Steuer-PS (je 262 ccm ergaben ein Steuer-PS), aber nun besteuerte man den Hubraum 100 ccm-weise mit je 12 Mark. Diese Methode gilt heute noch, obwohl damals schon die Fachpresse fragte: „Wofür bezahlen wir eigentlich Autosteuern? Angeblich dienen sie dem Straßenbau und der Straßenunterhaltung. In vielen Gegen-den Deutschlands jedoch hat man den Eindruck, daß die Landstraßen zielstrebig verludert werden . . .” Auch diese Methode behielt man bei.
Es gab übrigens schon „hohes C”, allerdings nicht als Getränk, sondern das „hohe C” war eine Zigarettenmarke. Die Mineralölfirma Deumos in Hamburg empfahl „für den Motor nur Ricin-OI” — es soll aber nicht vorgekommen sein, daß die ganze Kurbel-welle durch den Auspuff abging ... Vor den Bahnhöfen standen Motorrad-Taxen, „Motax” genannt, bei denen der Passagier im coupeähnlichen Beiwagen Platz nehmen mußte.
Vielbeachteter Kleinwagen war das Hanomag „Kommißbrot” mit Pontonkarosserie, als Coupe, Roadster und Cabriolet lieferbar. Der Roadster kostete 2175 Mark.
Der populärere 4/16 PS Opel-Zweisitzer war für 3000 Mark allerdings schon ein richtiges Auto. Es gab aber auch einen 4/18 PS „Diabolo” für 2300 Mark. Das machten die Leute so lange, bis sie pleite gingen. Für die 20 PS des Wanderer mußte man schon 6250 Mark hinlegen, während ein wirklich gutaussehender NSU-Zweisitzer mit Spitz-kühler und 25 PS für 5500 Mark zu haben war.

Der Kluge lässt sich belehren, der Unkluge weiß alles besser.
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