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BISPINGEN
Kategorie: Werkstatt: Bispingen:

Außer bei Balduin Huflattich, der wie ein verschnürtes Paket beim Aufprall aus dem Wagen geschleudert wurde, so daß ihm bei der Landung nur das Fahrgestell brach, war die Identifizierung der Restmasse sehr schwierig und zeitraubend. Auch der Mann, der mit einem Hammer auf Huflattichen zugeschlagen hatte, war nicht wieder-zuerkennen.
Durch diesen zwar bedauerlichen, aber in seiner Art einzigartigen Unfall wurde endlich publik, daß ein reisendes Zirkusunternehmen in Korksen Winterquartier bezogen hatte und daß dessen Elefanten infolge der allgemeinen Personenknappheit schon des öfteren auf eigene Faust den Weg zur jenseits der Straße Großenbüttel—Seedorf gelegenen Moorkuhle gefunden hatten.
Das war's — und eigentlich wäre die Geschichte nun zu Ende. Sie ist frei erfunden, hat aber einen glaubwürdigen Schluß, was genügen dürfte. In einer Automobilzeitschrift jedoch muß sie eine Moral haben, sonst nimmt sie einem niemand ab.
Die Moral ist die, daß die Polizei dem gequälten Kraftfahrer nicht eher mit einem Hammer aufs Knie schlagen sollte, als bis es ihr beispielsweise gelungen wäre, die auf der Autobahn zwischen Hamburg und Bremen äsenden Rindviehherden einzufangen und in ihre angestammten Weidegründe zu verdammen. Nicht einmal graziles Rotwild warnt auf einem dreieckigen Schilde den ahnungslosen Fremden davor, zwischen den genannten Orten von einer Herde galoppierender Milchbüffel überrannt zu werden.
Das mag ebenso unglaubhaft klingen wie die Elefantenbriefe des Balduin Huflattich, dem wir wünschen wollen, daß er die Geschichte überlebt.
Denn er war schließlich der einzige darin, der rechtens handelte. Und es geschieht in unseren Tagen nicht selten, daß man die berechtigten Warnungen und Hinweise von Staatsbürgern oder Automobilschriftstellern mit völlig abwegigen Methoden beanwortet, wobei ein Schlag mit dem Hammer auf ein unschuldiges Knie noch nicht zu den schlimmsten zu zählen wäre . . .


Das Wunder hat keine Bremsen
Tie Ampel sprang auf Rot und ich bremste so scharf, daß der Campari ins Wanken geriet, weil ich den kleinen Tisch an seiner unteren Quertraverse mit dem rechten Fuß ein Stück durch den gelben Kies geschoben hatte.
Man ist eben immer „im Dienst” — auch,wenn man auf dem Weg nach Süden irgend-wo auf einer Caf6terrasse seinen Campari trinkt. Das sieht bei mir so aus, daß ich mich mit einem Auge in einer Automobilzeitschrift und mit dem anderen auf der nahen Straße befinde, woselbst ich nach allerlei seltenen oder bunten Vögeln Ausschau halte. Sie können das verstehen, wie sie wollen . . .
Meinen Campari finde ich im Tast-Verfahren. Es kommt vor, daß ich solchermaßen fremde Gläser bis zur Neige leere, denn Kaffeehaustische sind klein und rund und ebenso unpraktisch wie 13-Zoll-Reifen. Diesmal hatte ich einem DKW-Fahrer geistige Bremshilfe geleistet, der seinem Junior bei Gelb noch auf den Schlips getreten hatte, ihn dann aber bei Rot noch zum Stehen bringen wollte. Es gelang ihm.
„Erstaunlich!” rief in diesem Augenblick mein Tischnachbar aus, den ich für einen Amerikaner und dessen Campari ich gerade in der Hand hielt. „Wie er das gemacht hat —ohne Bremsen!” Ich fuchtelte ein Fragezeichen in die Luft und ließ die Automobilzeitschrift um einiges sinken.
„Nun ja”, erläuterte der Ami, indem er enttäuscht auf sein leeres Glas blickte, „dieser Wagen hat keine Bremsen! Er ist das einzige Automobil von der ganzen Welt, dessen Räder keine Bremsen haben! Wahrhaftig ein kleines Wunder ...” Ich prüfte zunächst einmal die Stellung des Sonnenschirms, mußte mich aber davon überzeugen, daß der Mann schon längere Zeit im Schatten saß. An allerlei erstaunliche Dinge gewöhnt, die mir auf Reisen zu begegnen pflegen, erwiderte ich: „Sie verstehen etwas von Automobilen?” und erntete ein geschmeicheltes Lächeln: „Nun, nicht sehr, aber man liest Journale, wissen Sie ...”
Aha, dachte ich, er hat sicher eine Aprilnummer erwischt, als er sich das letzte Mal informierte.
„Was für einen Wagen fahren Sie in Europa?” fragte ich in dem Glauben, eine Rutschbahn vorzubereiten, auf der er straucheln würde. Aber nein.
„Hier fahre ich einen Opel Rekord. Es ist ein wunderbarer Wagen, wissen Sie. Die beste Werkmannsarbeit, die man auf dem Kontinent erhalten kann. Opel baut davon nur soviel, wie sich in Präzision bauen lassen. Sie bauen nicht so viele Wagen, wie sie verkaufen könnten . . .” Jetzt hatte ich mich an meinem eigenen Campari verschluckt und fegte niesend ein Päckchen „Mary Long” vom Tisch.

Alle Menschen sind klug. Die einen vorher, die anderen nachher.
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