Kategorie: Werkstatt: Lueneburg:
Federico liebt Automobile und die Mädchen lieben ihn. Ich kenne ihn so gut, daß ich versucht war, diese Geschichte in der Ich-Form zu schreiben. Aber, ich bin verheiratet.
Sollten Sie ihm einmal begegnen, dann hat er zweifellos gerade die Absicht, ein Buch zu schreiben. Immer will er ein Buch schreiben, aber alles und jedes hält ihn davon ab. Ich befürchte, daß man nie etwas Gedrucktes von ihm in die Hand bekommen wird, außer einem Inserat vielleicht, in dem er anzeigt, daß er einen wasserdichten Schwimmwagen abzugeben und einen MG bitter nötig hat.
Im übrigen ist er davon überzeugt, daß es eine Spielerei sei, ein Buch zu schreiben. Man fährt dazu, so sagt er, in ein fremdes Land.
Bestseller wurden in den seltensten Fällen zuhause geschrieben. Man braucht das fremde Land, um ein anderer Mensch zu sein, denn aus dem Menschen, der man ist, kann kein gescheites Buch herauskommen. In besonders einfach gelagerten Fällen, räumt Federico ein, genügt allerdings der Wechsel des möblierten Zimmers oder intensiver Umgang mit einer anderen Frau.
Bei Federico würde es wohl auch ein gut erhaltener Jaguar XK 120 tun.
Aber wie kann man, so ruft er aus, ein Buch schreiben, wenn es überall so betörend nach Super riecht? Er beneidet Goethe. Aber, das Buch muß er nun schreiben. Er hat es einer Handvoll Verlegern und noch mehr Bekannten versprochen. Und seine Freunde pflaumen ihn bereits auf offener Straße an, wie weit er denn nun wäre mit seinem Buch?! Und, ob es auch bestimmt kein Adreßbuch würde — Teil 1: Anschriftenverzeichnis aller Automobilhersteller Amerikas, Europas, Asiens und Teil II: Weibliche Telefonnummern mit anhängenden technischen Daten und persönlichen Meßwerten .. .
Man hat ihn eingestuft, wissen Sie, und selbst wenn er in eines der Felsenklöster Griechenlands ginge und für alle Zeiten darin verschwände — man würde ihm noch immer unter der hohlen Hand Teil 1 und Teil II nachsagen. Das ist so, wie mit der Straßenlage eines Automobils. Wenn es neunzehnhundertsiebenunddreißig keine hatte, dann nimmt man ihm auch neunzehnhundertsechzig noch keine ab, selbst wenn nicht eine einzige Schraube daran die gleiche geblieben ist.
Nun wird es aber Ernst mit Federicos Buch. Man schließt es daraus, daß er seinen Sportwagen verkauft und einem ebenso rasanten Mädchen mit alfa-roten Lippen den Laufpaß gegeben hat. Sie zeichneten sich beide, so sagt er, durch derart komplizierte Einstelldaten aus, daß dieses fremde Land nicht mit ihnen zurecht gekommen wäre Er kauft sich ein. uraltes VW-Cabriolet, so alt, wie die Konstruktion selbst. Es ist jener Zweisitzer, dem ganze Automobilisten-Vereine nachtrauern, weil er seit Jahren nicht mehr gebaut wird.
In neuen Sachen, das ist Federicos Meinung, ist noch niemals ein gutes Buch geschrieben worden. Hemingways Hemden drohten diesem angeblich vom Leibe zu fallen. Dieses Auto hält es nicht anders. In scharf gefahrenen Kurven entblößt es sich einzelner Teile, und es ist ohnehin nur bis zur Gürtellinie noch da.
Obenherum ist nichts, weder Verdeck noch Kurbelfenster.
Ein geistesgegenwärtiger Sattler hielt das neue Verdeck vor dem Aufziehen zurück, als er Federicos ansichtig wurde, und die Kurbelfenster nahm eine ringfreie Tank-stelle in Zahlung. So gelangte das Auto zu einem überaus günstigen Leistungsgewicht, das sich durch Abfallen überflüssiger Teile ständig verbessert. Es läuft wie die Feuerwehr und nicht minder laut.
In zwei Tagen wird Federico Rom erreichen. Er startet in Hamburg, woselbst er in Wahrheit Friedrich hieß. „Federico” nannte ihn damals ein Mädchen, von dem er nicht zu sagen vermag, ob es auf Sizilien, Korsika oder in Montenegro lebte. Aber er versichert bei jedem Erklingen einer schwermütigen Weise, daß er dieses Kind nie vergessen wird .. .
In Rom, und nirgendwo sonst, wird er sein Buch schreiben!
Rom ist eine herrliche Stadt. Es wird darin unablässig auf allen Straßen und Plätzen für die Mille Miglia trainiert. Daß Italien in eine politische Krise hineingeriet, kann nur mit der Einführung der Geschwindigkeits-Begrenzung zusammenhängen. Die Regierung hätte das wissen müssen.
Spät am Abend kommt Federico an. Im Schlaf hört er silberhelle Fanfaren jubilieren, Abarth-Töpfe röhren und Bremsbeläge altern — man schläft nirgends besser als in Rom!
Er erwacht durch einen Totalschaden vor seinem Fenster. Ist er wirklich im gelobten Land? Auf jeden Fall ist er nicht allein. Himmel, er ist nicht allein! Dabei hat er mit Sicherheit nur ein Stück Seife, fünfzig Kilo Automobilzeitschriften und einen abgerissenen Stoßdämpfer (es war zwischen Bologna und Florenz, auf der Höhe von Poretta Therme) mit auf die Bude gebracht.
Alle Menschen sind klug. Die einen vorher, die anderen nachher.
Verzeichis: Auto Autovermietung Autohaus Gebrauchtwagen Autoboerse Autoversicherung Werkstatt Autohandel Abschleppdienst Quad Neuwagen Caravan Autotuning Leasing Autoverwertung LKW Autoersatzteile Autoanzeigen Fahrschule Tachojustierung Ferienfahrschule Landtechnik Ersatzteile Busreisen Kranverleih
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Federico liebt Automobile und die Mädchen lieben ihn. Ich kenne ihn so gut, daß ich versucht war, diese Geschichte in der Ich-Form zu schreiben. Aber, ich bin verheiratet.
Sollten Sie ihm einmal begegnen, dann hat er zweifellos gerade die Absicht, ein Buch zu schreiben. Immer will er ein Buch schreiben, aber alles und jedes hält ihn davon ab. Ich befürchte, daß man nie etwas Gedrucktes von ihm in die Hand bekommen wird, außer einem Inserat vielleicht, in dem er anzeigt, daß er einen wasserdichten Schwimmwagen abzugeben und einen MG bitter nötig hat.
Im übrigen ist er davon überzeugt, daß es eine Spielerei sei, ein Buch zu schreiben. Man fährt dazu, so sagt er, in ein fremdes Land.
Bestseller wurden in den seltensten Fällen zuhause geschrieben. Man braucht das fremde Land, um ein anderer Mensch zu sein, denn aus dem Menschen, der man ist, kann kein gescheites Buch herauskommen. In besonders einfach gelagerten Fällen, räumt Federico ein, genügt allerdings der Wechsel des möblierten Zimmers oder intensiver Umgang mit einer anderen Frau.
Bei Federico würde es wohl auch ein gut erhaltener Jaguar XK 120 tun.
Aber wie kann man, so ruft er aus, ein Buch schreiben, wenn es überall so betörend nach Super riecht? Er beneidet Goethe. Aber, das Buch muß er nun schreiben. Er hat es einer Handvoll Verlegern und noch mehr Bekannten versprochen. Und seine Freunde pflaumen ihn bereits auf offener Straße an, wie weit er denn nun wäre mit seinem Buch?! Und, ob es auch bestimmt kein Adreßbuch würde — Teil 1: Anschriftenverzeichnis aller Automobilhersteller Amerikas, Europas, Asiens und Teil II: Weibliche Telefonnummern mit anhängenden technischen Daten und persönlichen Meßwerten .. .
Man hat ihn eingestuft, wissen Sie, und selbst wenn er in eines der Felsenklöster Griechenlands ginge und für alle Zeiten darin verschwände — man würde ihm noch immer unter der hohlen Hand Teil 1 und Teil II nachsagen. Das ist so, wie mit der Straßenlage eines Automobils. Wenn es neunzehnhundertsiebenunddreißig keine hatte, dann nimmt man ihm auch neunzehnhundertsechzig noch keine ab, selbst wenn nicht eine einzige Schraube daran die gleiche geblieben ist.
Nun wird es aber Ernst mit Federicos Buch. Man schließt es daraus, daß er seinen Sportwagen verkauft und einem ebenso rasanten Mädchen mit alfa-roten Lippen den Laufpaß gegeben hat. Sie zeichneten sich beide, so sagt er, durch derart komplizierte Einstelldaten aus, daß dieses fremde Land nicht mit ihnen zurecht gekommen wäre Er kauft sich ein. uraltes VW-Cabriolet, so alt, wie die Konstruktion selbst. Es ist jener Zweisitzer, dem ganze Automobilisten-Vereine nachtrauern, weil er seit Jahren nicht mehr gebaut wird.
In neuen Sachen, das ist Federicos Meinung, ist noch niemals ein gutes Buch geschrieben worden. Hemingways Hemden drohten diesem angeblich vom Leibe zu fallen. Dieses Auto hält es nicht anders. In scharf gefahrenen Kurven entblößt es sich einzelner Teile, und es ist ohnehin nur bis zur Gürtellinie noch da.
Obenherum ist nichts, weder Verdeck noch Kurbelfenster.
Ein geistesgegenwärtiger Sattler hielt das neue Verdeck vor dem Aufziehen zurück, als er Federicos ansichtig wurde, und die Kurbelfenster nahm eine ringfreie Tank-stelle in Zahlung. So gelangte das Auto zu einem überaus günstigen Leistungsgewicht, das sich durch Abfallen überflüssiger Teile ständig verbessert. Es läuft wie die Feuerwehr und nicht minder laut.
In zwei Tagen wird Federico Rom erreichen. Er startet in Hamburg, woselbst er in Wahrheit Friedrich hieß. „Federico” nannte ihn damals ein Mädchen, von dem er nicht zu sagen vermag, ob es auf Sizilien, Korsika oder in Montenegro lebte. Aber er versichert bei jedem Erklingen einer schwermütigen Weise, daß er dieses Kind nie vergessen wird .. .
In Rom, und nirgendwo sonst, wird er sein Buch schreiben!
Rom ist eine herrliche Stadt. Es wird darin unablässig auf allen Straßen und Plätzen für die Mille Miglia trainiert. Daß Italien in eine politische Krise hineingeriet, kann nur mit der Einführung der Geschwindigkeits-Begrenzung zusammenhängen. Die Regierung hätte das wissen müssen.
Spät am Abend kommt Federico an. Im Schlaf hört er silberhelle Fanfaren jubilieren, Abarth-Töpfe röhren und Bremsbeläge altern — man schläft nirgends besser als in Rom!
Er erwacht durch einen Totalschaden vor seinem Fenster. Ist er wirklich im gelobten Land? Auf jeden Fall ist er nicht allein. Himmel, er ist nicht allein! Dabei hat er mit Sicherheit nur ein Stück Seife, fünfzig Kilo Automobilzeitschriften und einen abgerissenen Stoßdämpfer (es war zwischen Bologna und Florenz, auf der Höhe von Poretta Therme) mit auf die Bude gebracht.
Alle Menschen sind klug. Die einen vorher, die anderen nachher.
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