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MUNSTER
Kategorie: Werkstatt: Munster:

Zustand des Wachseins höre ich den Hillman und die beiden Damen durch den vorderen Orient keuchen. Sie haben mir meine Lieblingsidee gestohlen und meine Ruhe dazu. Und nur die Gräfin war einen Tag lang in der Werkstatt.
Auch während ich die Fernsehantenne richte, die der Sturm verbogen hat, höre ich ihre Stimme: „Patricia, es muß an den Kerzen liegen. Wir sollten die Dochte einmal reinigen ...”
„Wenn ich bloß wüßte, warum wir unterwegs das til wechseln sollen, es gilt doch überall . . .” „Patricia, bitte, machen Sie einen Knoten in den Bremsschlauch, damit wir nicht vergessen, diese Flüssigkeit nachzufüllen ...” Gewiß, ich bin ungerecht. Ich bin ganz einfach neidisch, wie ein Hammel. Nicht, daß ich auf dem Himalaja herumklettern möchte, nein, aber hinfahren! Hinfahren wollte ich schon immer einmal. So quer durch das Abenteuer hindurch, wissen Sie. Sandstürme, Durst, Getriebeschaden, eingestürzte Brücken, Nomaden, die Hammel-fett in den Tee geben, und Töchter von Schafhirten, die gern ein Stückchen mitfahren möchten. Ein Leben lang habe ich davon geträumt — und nun kommt eine sechsundfünfzigjährige Gräfin und macht's.
Sie geht einen Tag in die Werkstatt, schnappt sich einen Hillman Husky und eine siebenundzwanzigjährige Zahnärztin und fährt nach Indien. Auf dem Landwege! Wir werden ja sehen, ob sie wirklich ankommt. Heute nacht schau ich mal nach, wo die beiden sind. Hinter Erzerum geht's ja erst richtig los. Die werden sich wundern, da ist schon manchem die Kopfdichtung durchgebrannt. Aber der Teufel will's — und die Gräfin behebt den Schaden mit ein paar Spalt-Tabletten.
Ob Sie es nun glauben oder nicht, ich kann es gar nicht erwarten, bis ich wieder einschlafe .. .
Es ist nicht alles Wild, was wechselt

1es begann damit, daß Balduin Huflattich fünfzig Meter hinter dem Wildwechsel-Warnschild auf der Bundesstraße zwischen Großenbüttel und Seedorf im Scheinwerferlicht seines antiquierten Opel-Kadett einen Elefanten über die Fahrbahn schnüren sah.
Balduin Huflattich betätigte geistesgegenwärtig mit der gesunden Wadenkraft eines eingeschworenen Wattwanderers den verhärmten Bremsmechanismus und brachte sein Fahrzeug mühselig, aber rechtzeitig zum Stehen. Danach holte er tief Atem, kurbelte ein verklemmtes Fenster herunter und vernahm mit gesträubtem Nacken-haar, daß der Koloß in zunehmender Entfernung durch den Laubwald brach. Das war gegen 24 Uhr in einer mondhellen Oktobernacht.
Wir dürfen Balduin Huflattich nicht seines Namens wegen verurteilen. Er ist zwar ein scheuer Mensch, der ein bißchen zu sehr nach innen lebt, woselbst ihm wenig Leute begegnen, mit denen er Umgang pflegen könnte. Aber er ist ein verantwortungsbewußter Staatsbürger.
Deshalb setzte er sich am nächsten Morgen hin und schrieb einen Brief an die Automobilzeitschrift, die ihm vor wenigen Wochen ein Probeheft ins Haus geschickt hatte. Balduin Huflattich ist ein routinierter Leserbriefschreiber, er hatte das damals schon mit der Gartenlaube nicht anders gehandhabt, und deshalb nannte er einen gepflegten Leserbriefstil sein eigen. Er schrieb:

Geehrte Herren!
Ich sehe mich veranlaßt, Sie auf einen Übelstand aufmerksam zu machen, der für die Leser Ihres geschätzten Blattes nicht ohne Interesse sein dürfte. Die Schilder, welche allerorts auf unseren Straßen vor wechselndem Wilde warnen, verweisen in ihrer bildlichen Darstellung lediglich auf ein graziles Rotwild, womit eine eklatante Verniedlichung der wirklichen Gefahr begangen wird.
Gestern, kurz vor Mitternacht, strich hinter einem solchen Schilde kurz vor meinem zügig dahineilenden Wagen ein ostafrikanischer Spitzohrelefant (Loxbonta a f ricana oxiotis) über die Fahrbahn. Ich ersuche Sie hö f lichst, darauf hinzuwirken, daß man in den Wildwechsel-Warntafeln jeweils die größten, einen Streckenabschnitt gefährdenden Tiere abbildet, und nicht die graziösesten.
Mit näheren Angaben über diesen Vorfall diene ich Ihnen gern. Da ich die Geschehnisse und Diskussionen auf Grund meiner Zuschrift in Ihrem Blatte gern verfolgen möchte, wollen Sie mich bitte als Ihren Abonnenten registrieren!
Achtungsvollst!
Balduin Huflattich, Seedorf

Lache nie über die Dummheit der anderen. Sie kann deine Chance sein.
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