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SOLTAU
Kategorie: Werkstatt: Soltau:

strammziehen!”
Bis ich an den Falschen kam. Den hatte ich vor vier Wochen schon einmal mitgenommen und nun fragte er mich: „Vermissen Sie Ihre Schlüssel nicht? Sie liegen noch immer im Kofferraum!” Da kaufte ich mir ein Autoradio. Für vierhundertfünfzig Mark ist das Klappern weg, vorausgesetzt, daß ich das Gerät auf volle Lautstärke stelle und mir notfalls den Kochvortrag „Wie mache ich aus Fußlappen Kartoffelpuffer?” in ungekürzter Fassung anhöre. Auch über die Wasserstände bin ich genauestens informiert. Meistens habe ich den Kanal voll. Denn ich entsinne mich noch zu gut der Autos meiner Kindheit, die mit großvolumigen, niedertourigen Motoren dahinrollten und nur ganz vornehm mit den Reifen summten. Und wenn in meiner Hosentasche ein Stück Draht, ein roter Magnet und der Backenzahn eines Pferdes aus Versehen zusammenstießen, dann nahm mein Vater den Fuß vom Gaspedal, hielt den Kopf schräg und spitzte die Ohren, bis er heraus hatte, daß es nicht der Wagen, sondern der Backenzahn eines Pferdes war. Dann haute er mir während der Fahrt eine herunter (es gab kaum Gegenverkehr) und die Sache war in Ordnung.
So einfach war das damals. Es war die Zeit, in der ein Schalthebel schlicht da hinein-ragte, wo es etwas zu schalten gab. Er tat dies ohne Umschweife, und es fiel ihm nicht im Traum ein, dabei zu klappern. Womit sollte er auch? Heute sitzen die Getriebe, in denen herumgestochert werden muß, noch immer an der gleichen Stelle, aber die Schalthebel sind fünfmal so lang, haben sechs Scharniere und sieben Federn und neigen zum Klemmen und Klappern. Sie sind deshalb so kompliziert, weil es plötzlich Mode wurde, in die Lenksäule hineinzuschalten, anstatt ins Getriebe. Gießen Sie sich eigentlich ein Glas Bier zuerst in den linken Schuh und von da in den Mund? Automobilbauer machen das. Es hat den Vorteil, sagen sie, daß man unbehindert durch einen herumstehenden Schalthebel auf der Sitzbank Allotria treiben kann. Man sagt auch, es wäre wegen der Aussteigerei nach rechts. Man möchte das, ohne in der Unterhose auf dem Bürgersteig zu stehen, weil die Hose am Schalthebel hängengeblieben ist.
Solche Sachen sollen so häufig vorgekommen sein, daß man schließlich den Schalthebel unters Lenkrad verlegte. Auf die Idee, in den echten Schalthebel eine kleine, arretierbare Kippvorrichtung einzubauen, mit deren Hilfe man ihn bei Bedarf um-legen kann, kam nur die Zubehörindustrie. Sie liefert das Ding für ein paar Mark für einen Wagen, der sich so schön schaltet, daß man gar nicht genug davon kriegen kann — für den VW.
Die komplizierten Gestänge, die etwas um drei Ecken herum ausrichten, das man leichter und sicherer auch direkt hätte tun können, sind technisch so unlogisch, daß wir herzhaft darüber lachen sollten. Die Lenkradschaltung hätte nur dann einen Sinn, wenn sie aus einem Hebelchen bestünde, das in ein elektrisches Relais mündet, welches mit Hilfe eines dünnen, harmlosen Drahtes dem Getriebe einen Befehl übermittelt.
Aber, das sollte nur einer der Punkte sein, über die man sprechen könnte, wenn man der Automobilindustrie zeigen wollte, woher das Klappern kommt, und warum es nicht zu sein brauchte. Da gibt es Hauben- und Kofferklappen-Arretierungen, die munter klappern, weil sie falsch und einfallslos sind, da gibt es Türverriegelungen und Kurbelmechanismen, die nicht klappern würden, wenn man für zwanzig Pfennige Dämpfungsmaterial, Perlonfilz, Preßstoffringe oder sonst etwas, notfalls auch für ein Monatsgehalt Intelligenz daran verwenden würde. Es gibt wichtige Halterungen, die ein paar Millimeter zu schwach, Blechwände, die eine Postkartengröße zu freischwingend und Scharniere, die für eine Tabaksdose berechnet sind. Und trotzdem oder deshalb gibt es Gummi, sehr viel Gummi, der alles wieder gutmachen soll, aber so schlecht angeklebt ist, daß er vor lauter Angst, aus dem fahrenden Auto zu fallen, mitklappert .. .
Die Automobilfabriken haben eigene Teststrecken angelegt, Straßen mit Steilkurven, Knüppeldämmen, Wasserdurchfahrten, Rutschpflaster und Bundesstraßen-Effekt, Straßen, die Millionen gekostet haben. Was machen sie eigentlich damit? Haben sie auf diesen
Klugheit steckt nicht in den Jahren, sondern im Kopf.
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